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Mittwoch, 28. Mai 2008
Kaffee??
Bahla und Jabrin sollten auf dieser kurzen Reise unsere westlichsten Punkte im Oman sein. Am nächsten Morgen drehten wir den panzerartigen Bug des Pfadfinders gen Osten (weg von Mekka) und fuhren auf einer Nebenstraße nahe den Ausläufern des Hajargebirges der Region al-Sharqiyah entgegen. Bald sollte er beweisen, wieviel Geländewagen wirklich in ihm steckte.
Als die Straße nach Süden abschwenkte und die Berge zurückblieben, ging das Land schnell in eine flache, völlig öde Schotterwüste über. Luftspiegelungen flimmerten über dem nur noch wenig befahrenen Asphalt. Es sah aus, als stünde er abschnittweise unter Wasser und würde uns sonst noch was vorgaukeln, bis die ersten Dromedare tatsächlich neben uns vorbeischritten und sich hier und da hochmütig eines der vereinzelten Blättchen von den dornigen Akazien zupften.

An einem alten, verfallenden Einzelgehöft hielten wir an. Umfassungsmauer, ein ehemals dreigeschossiger Turm, Wohnhaus, Ställe, alles aus ungebrannten Lehmziegeln erbaut, die unter der unbarmherzigen Hitze längst ins Bröckeln geraten waren. Aus Staub bist du geworden, zu Staub sollst du werden. Ohne umweltbelastende Rückstände. Das Baumaterial billig und an Ort und Stelle vorhanden, leicht zu bearbeiten, gut isolierend, einfach auszubessern. Sehr praktisch.

Bei al-Mudaybi macht ein Schild auf ein zum “Tourist-Restaurant” deklariertes Kaffeehaus aufmerksam. Wir steuern es an und lösen beträchtlichen Wirbel aus. Auf die glatt verputzte Fassade sind nicht nur Bruchsteine und dicke Quader gemalt, die gleiche künstlerisch inspirierte Hand hat auch noch hinzugefügt, was es in dieser Gegend am allerwenigsten gibt: üppiges Grün, Bäume, einen großen Teich mit zwei Fontänen. Fehlt nur noch ein kapitaler Jägermeisterhirsch, der sein Geweih aus dem finstern Tann reckt. Der Kellner, der unseren Wagen gehört hat und uns an der Tür empfangen will, prallt zurück und muss erst einmal seinen Bruder zur Unterstützung holen, ehe er verstehen kann, welche Extravaganz wir uns wünschen. - Kaffee.

So? Unglaublich! Kaffee?
- Ja, bitte. Ganz gewöhnlichen omanischen Kaffee mit Kardamom.
- Mit Milch?
- Nein. Mit Kardamom.
- Zucker?
- Danke, nein.

Wir nehmen auf einer Gruppe von Sitzpolstern am Boden Platz, obwohl es - wir befinden uns in einem “Tourist-Restaurant”! - auch einen Tisch mit ein paar Plastikstühlen gibt. Die beiden einzigen Gäste, zwei Einheimische, die in ihren Nachthemden an Wasserpfeifen nuckelten, erheben sich und verlassen indigniert das Lokal. Eine Frau im Kaffeehaus! Der Untergang des Morgenlands steht vor der Tür. Nein, ist gerade eingetreten.

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