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Mittwoch, 5. August 2009
Wilde Erdbeeren
... ist auch so ein deutscher Filmtitel, der zwar nicht schlecht klingt, aber assoziativ in die Irre führt, weshalb ihm ein Platz in Giesbert Damaschkes Liste über verhunzte Eindeutschungen solcher Titel gebührte:
Deutsches Elend .
Das schwedische Original Ingmar Bergmans von 1957 heißt Smultronstället, und smultron sind in der Tat nicht die in der Landwirtschaft gepflanzten Erdbeeren - die heißen jordgubbar -, sondern die kleinen Walderdbeeren. So weit könnte man “wilde Erdbeeren” als poetische Umschreibung gelten lassen, aber “wild” ist nunmal leider gar nicht die Richtung, in der Schweden denken, wenn sie das Wort smultronstället hören; vielmehr bezeichnet es ganz im Gegenteil einen Ort größter Geborgenheit und Heimeligkeit. Es ist nämlich die Stelle im Garten oder im nahen Wald, von der man als Kind wußte, daß dort im Sommer die kleinen, so unglaublich aromatischen Erdbeeren reiften, und die Kenntnis dieses Orts behielt man natürlich tunlichst für sich oder schlich sich allenfalls mit der besten Freundin oder einem guten Freund möglichst ungesehen dorthin. Dann teilte man das Wissen um den geheimen Fundort dieser begehrtesten aller Köstlichkeiten.
Smultronstället steht demnach im Film in erster Linie als Metapher für einen Ort der Erinnerung an ein verlorenes Paradies der Kindheit, wo man sich auf einer sonnenbeschienen kleinen Lichtung mit seinem/r engsten Vertrauten vor der Welt versteckte, und wo einem die süßesten Früchte praktisch in den Mund wuchsen.
Für den, der das weiß, erhält schon der Titel von Bergmans frühem Meisterwerk eine ganz andere Ladung. Außerdem vollzieht der Film insgesamt und in einer seiner ersten Episoden genau den oben genannten Vorgang nach: Kaum hat sich der alte Dr. Borg mit seiner Schwiegertochter auf die weite Autofahrt von Stockholm nach Lund begeben, da biegt er von der Straße ab. “Wo geht‘s denn jetzt hin?”, fragt seine Schwiegertochter. “Ich möchte dir etwas zeigen”, antwortet Borg und fährt mit ihr wohin? Zu seiner smultronställe, er weiht sie also mit anderen Worten in Geheimnisse seines Lebens ein, wie er es im weiteren Verlauf ihrer Reise freiwillig wie unfreiwillig noch mehrfach tun wird. Er selbst legt sich an seiner Erdbeerstelle ins Gras und sieht dort tagträumend seine Jugendliebe Sara wieder...


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