Find more about Weather in Piran, LJ
Samstag, 9. Februar 2013
Zahl des Tages

Lapidarer Nebensatz in einem Bericht der Tagesschau gestern abend:
4 von 5 Amerikanern seien für gezielte Tötungen durch US-Militär und CIA auf der ganzen Welt – so lange keine US-Bürger gekillt werden.
Es fällt immer schwerer, denen noch Glauben zu schenken, die wunschdenken, es gäbe auch ein anderes Amerika.
Leider trifft wohl doch eher das Bild der Amerikaner zu, das Cormac McCarthy in Blood Meridian zeichnet:

Amerikaner als Kopfgeldjäger unter einem selbsternannten Friedensrichter, “geweihte Vertreter des Bestehenden, die die Welt, wie sie sich ihnen darbot, unter sich aufteilten und das, was gewesen war und nie wieder so sein würde, am Boden zerstört hinter sich ließen.”

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 6. Februar 2013
Christliche und andere Imagekrisen

Schlechte Schlagzeilen sind besser als keine, lautet bekanntlich eine Devise abgetakelter Promis, welker Exschönheiten oder von Zombie-Institutionen, die auf Dumme Publikumszuspruch angewiesen sind wie zum Beispiel die FDP oder die Regierungskoalition oder die Kirche in Deutschland. Mit dem jüngsten Beschluß zur Unterbindung der Aufklärung der ewigen Ferkeleien ihrer Vertreter oder der gleich zweimaligen Verweigerung der ärztlichen Behandlung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kölner Kliniken hat sie sich gerade einmal mehr schlechte Publicity verschafft, aber immerhin Publicity, und vor allem darum muß es ihr bei mehr als 100.000 Kirchenaustritten p.a. doch gehen. Das Erste deutsche Fernsehen widmete ihr einen ganzen Themensonntagabend mit dem geradezu inquisitorisch gestimmten Jauch und kam zu dem beinah umstürzlerischen Fazit: Die Kirche sollte mit der Zeit gehen und sich modernisieren.
In den Niederlanden tut sie das längst, wie nebenstehender Aushang an einer Kirche im seeländischen Middelburg beweist.

Wo wir schon bei Christlichem sind: Einer christdemokratischen Politikerin wird man wohl ein Bibelwort vorhalten dürfen, auch wenn es oft leicht verändert zitiert wird.
Laut Matthäus-Evangelium (7,16) soll Jesus Christus in seiner Bergpredigt u.a. gewarnt haben: “Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.”
Den letzten Satz veränderte man später verständlicherweise, denn das Bild ist ja ziemlich schief bis komplett in die Hose gegangen (was für Früchte tragen Wölfe?), zu: “An ihren Worten sollt ihr sie erkennen” (so etwa Thomas Mann über Nietzsche) und erweiterte dann zu: “Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.”
Im Fall Schavan läuft alles auf dasselbe hinaus.

“Ich habe ganz klar von wissenschaftlicher Integrität als einem hohen Gut gesprochen und davon, dass die Aberkennung des Titels richtig ist.”

Hat Frau Schavan vor knapp zwei Jahren in einem Interview der Süddeutschen gesagt. Damals ging es noch nicht um sie, sondern um ihren Kabinettskollegen (auf und da)von Guttenberg, über dessen schmählichen Abtritt, so munkelte man damals in den Medien, sie sich klammheimlich ziemlich die Hände gerieben habe. Im Interview hat sie noch nachgetreten: “Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. – Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt.”
So ist es, Frau Schavan. Schämen Sie sich nicht mehr öffentlich für andere, sondern für sich selbst, und nehmen Sie ohne weiteres Federlesen ihren Ministerhut (einen Doktorhut haben Sie ja nicht mehr) und treten Sie zurück!

... link (1 Kommentar)   ... comment


Freitag, 1. Februar 2013
Alles eine Frage der Hormone

Es gibt Momente in unserem Alltag, die beleuchten sonst einigermaßen unerklärlich im Dunkeln liegende Phänomene schlaglichtartig mit einer ganzen Flutlichtbatterie.
Vor einiger Zeit hatte ich mit meiner überwiegend vom Balkan zusammengemixten Truppe (außer einem Südafrikaner und mir alles Bosnier, Serben und Kroaten) ein Volleyballspiel gegen eine holländische Freizeitmannschaft. Die Holländer waren auch nicht schlecht, und so wurde nach einigen hart umkämpften Bällen nicht mehr geplänkelt. Einsatz und Konzentration nahmen auf beiden Seiten zu. Der erste Satz ging verloren, den zweiten gewannen wir knapp, im dritten wurde um jeden Punkt gekämpft, keine Mannschaft konnte sich absetzen. Besonders der Block der langen Holländer war unangenehm effektiv. Doch einmal stellte unser Zusteller einen Ball rückwärts über Kopf hoch und steil übers Netz, ideal. Unser rechter Außen, ein athletischer Kroate im vollen Saft seiner frühen Dreißiger, schnellte vom Boden ab, stieg und streckte sich wie ein Deuserband, stieg höher als der gegnerische Doppelblock und nagelte den Ball mit voller Wucht hinter dem Block in die gegnerische Spielhälfte. Ein Traum von einem Schmetterschlag.
Unser Mann landete, drehte sich zu uns um, riß beide Arme in die Höhe und den Mund auf und brüllte in einem Triumphschrei: “Testosteron!”

Noch Fragen zu den Geschehnissen auf dem Balkan?

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 31. Januar 2013
cat content

Cat content: auf 1 Klick 625.000 Fundstellen bei Google. “Das Web wurde einzig und allein zu dem Zweck erfunden, Katzen zu huldigen”, heißt es unter dem Schlagwort im Spiegel. Sie sind aber auch einfach zu süüß, die Killer auf Samtpfoten, die, wenn es ihnen gefällt, tödliche Krallen vorübergehend im Kuschelfell verbergen. Dabei wissen die meisten Katzenbeschmuserinnen genau, daß sich ihr zärtlicher Liebling von seinen Ausflügen immer wieder mal ein durch Bisse verletztes und zu Tode erschrecktes Mäuschen als Spielzeug mit nach Hause bringt, um ihm irgendwann, wenn es seiner überdrüssig ist, endgültig den Kopf abzubeißen. Oder einen völlig zerzausten erbeuteten Singvogel auf dem Wohnzimmerteppich hinterläßt, als “Liebesgabe”, wie es dann schnell heißt.

c)socialistunity.com

Jetzt haben sich Biologen in den USA einmal die Mühe gemacht, die verstreuten statistischen Angaben über die Zahl von Katzen getöteter Tiere einer etwas systematischeren Analyse zu unterziehen. Ihren darauf basierenden Schätzungen zufolge (genauer geht es wegen der Materialbasis noch nicht) erlegen vor allem streunende Hauskatzen in den USA jährlich bis zu 20,7 Milliarden Mäuse und andere Kleinsäugetiere und 3,7 Milliarden Vögel. Damit seien sie der größte Einzelfaktor unter den letztlich vom Menschen verursachten Tötungen von Tieren in den USA. Tödlicher noch als Pestizide und Autos.
Eine ähnliche Untersuchung in Großbritannien brachte schon 1997 das Ergebnis, daß Hauskatzen dort jährlich bis zu 92 Millionen Tiere killen.
“In den gemäßigten Klimazonen Nordamerikas und Europas tötet eine Katze demnach im statistischen Mittel zwischen 30 und 47 Vögel sowie zwischen 177 und 299 kleine Säugetiere im Jahr”, heißt es dazu in der Welt. Wie Menschen und Ratten haben Katzen in begrenzten Lebensräumen wie Inseln schon ganze Tierarten ausgerottet.
Natürlich brach auf die Meldung hin ein Entrüstungssturm der Katzenanbeter los:
“Wie kann man ein so zauberhaftes, liebenswertes Tier zum "Monster" deklarieren und das auch noch als "wissenschaftliche" Erkenntnis verbrämen”, lautet der in dieser Leserzuschrift noch harmlos formulierte Tenor ihrer Reaktionen. Im österreichischen Standard gingen auf den gestrigen Artikel bis jetzt 500 überwiegend erboste Zuschriften von Katzenliebhabern ein, die das heißgeliebte Ersatzobjekt ihrer Zärtlichkeitsbedürfnisse über alles stellen:
“Was für eine armselige Welt, in der einem wunderschönen Raubtier nicht mal ein blöder Piepmatz gegönnt wird, der wahrscheinlich sowieso schon uralt oder kränklich und daher der natürlichen Auslese geweiht ist.”
Nur wenige bekannten offen Farbe:
“Bin selbst Katzenhalter, lebe auf dem Land und unsere beiden haben jederzeit Freigang. Echt, es nervt, im Frühjahr ist das teilweise ein echtes Gemetzel, vor allem die lieben Jungvögel werden da regelrecht massakriert.“

Leute, es wird bald Frühjahr, hier sieht man etwa die Dohlen schon nur noch paarweise fliegen: Schützt die Vögel vor euren mörderischen Haustieren!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 29. Januar 2013
Isländische Sturheit triumphiert

Unorthodoxe Dickschädel, das müssen ja schon die ersten Menschen gewesen sein, die sich unter den harten Bedingungen des frühen Mittelalters entschlossen, ausgerechnet ins kalte Island auszuwandern. Die Isländersagas erzählen bekanntlich mit Vorliebe von solchen Dickschädeln. Und Eigensinnigkeit wird in Island mit einem nachsichtigen bis spitzbübischen Grinsen bis heute als nationale Charaktereigenschaft angesehen. Sie hat die Isländer immer wieder befähigt und bewogen, Dinge ganz anders anzugehen, als man von ihnen erwartete oder es ihnen vorschreiben wollte.
Jüngstes Beispiel war der Zusammenbruch der isländischen Banken in der Finanzkrise 2008. Damals lag das ganze Land am Boden, die Volkswirtschaft drohte zu kollabieren, und wie immer in solchen günstigen Lagen traten die Neoliberalen von IWF, Weltbank und EU, die notorisch bekannte Troika, in Köln auch bekannt unter dem Namen “Närrisches Dreigestirn” oder “Die Drei von der Bankstelle” (sorry), sogleich mit ihren selbstlosen gutgemeinten Ratschlägen auf den Plan und verschrieben mit der gleichen nicht lernfähigen Dummheit wie Ärzte in früheren Jahrhunderten, der Patient müsse erst einmal kräftig zur Ader gelassen werden.
Der isländische Patient aber war eben ein Sturkopf und tat so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was das international erfahrene Ärzteteam verordnen wollte. Mit dem bekannten Resultat, daß sich die isländische Volkswirtschaft sehr viel schneller erholt hat, als ihr je ein Experte damals zugetraut hätte. Sie wuchs im letzten Jahr um 3%, die Arbeitslosigkeit liegt bei vergleichsweise moderaten 5%.
Eine, wenn nicht die wichtigste Maßnahme der Isländer bestand darin, ihre zuvor privatisierten und durch Spekulationsgeschäfte marode gewordenen Banken eben nicht zu retten, sondern sie allesamt bankrott gehen zu lassen. Und heute? Heute geht sogar ein erzkonservativer und -marktliberaler Sender wie Fox News hin und befragt den Präsidenten Islands auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, wie, um alles in der Welt, diese erstaunlichen Isländer denn dieses exzeptionelle Wunder hinbekommen hätten.


Das Erste, was Ólafur Ragnar den Amerikanern erklärt, ist, daß er nie verstanden habe, warum Banken die heiligen Kühe (eigtl. Kirchen) der modernen Wirtschaft seien. “Wir schafften eine ziemlich bemerkenswerte Erholung, indem wir entgegen den etablierten orthodoxen Ansichten vorgingen, die in den USA und Europa vorherrschen.” Peng! Satte präsidiale Ohrfeige von einem Zwergstaat für die führenden ökonomischen Weltmächte.
Und gleich noch eine hinterher an die Adresse ihrer doktrinären “Wirtschaftsweisen” und zweier europäischer Nachbarländer Islands, an Großbritannien und die Niederlande: “Diese Banken waren Privatunternehmen, die ihre Vorstände und Aktienbesitzer belohnten. Warum sollte, als sie scheiterten, der Steuerzahler den Preis dafür bezahlen und die Lasten tragen?”
Das war natürlich ein Statement in Sachen Icesave, der kollabierten isländischen Bank mit Ablegern in den beiden Ländern. Die Isländer weigerten sich eben mit Ólafur Ragnars Argument seit 2008 und bis heute, einen Rechtsanspruch der ausländischen Anleger, die beim Zusammenbruch der Bank ihr Vermögen verloren hätten, wenn ihre eigenen Regierungen nicht eingesprungen wären, auf Entschädigung anzuerkennen.
Die englische und die niederländische Regierung versuchten nahezu alles, um sich das Geld von den isländischen Steuerzahlern zurückzuholen, doch die stimmten in Referenden, die übrigens Ólafur Ragnar Grímsson auf Druck der Straße initiiert hat, zweimal entschieden dagegen.
Holland und England drohten und erpreßten vereint, ihr Veto gegen einen damals gewünschten Beitritt Islands zur EU einzulegen. “Wir werden die Isländer so oder so wissen lassen, daß wir unser Geld zurückwollen, und wir werden es auch kriegen”, schäumte der niederländische Finanzminister Wouter Bos öffentlich im Fernsehen, und der damalige englische Premier Gordon Brown brachte sogar Antiterrorgesetze gegen Island in Anschlag. Die isländischen Dickköpfe blieben stur. Daraufhin verklagten Großbritannien und die Niederlande Island schließlich vor dem EFTA-Gerichtshof in Luxemburg. Der hat nun vorgestern in seinem Urteil Island von allen Anklagepunkten freigesprochen. Wie titelte die taz: “Reykjavíks Sturheit zahlt sich aus”. “London und Den Haag müssen nun die Gelder abschreiben [und] erleiden darüber hinaus einen schweren Prestigeverlust.” Nach etlichen verlorenen Kabeljaukriegen kann sich das stolze Albion (noch dazu im Bündnis mit der Wirtschaftsmacht der Vereinigten Niederlande) einmal mehr nicht gegen das kleine Island durchsetzen.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 27. Januar 2013
Darwin, Redmond und die anderen

Vor einem Jahr kam an einem sonnigen, aber kalten Wintersonntag Leben in die Haager Frederik Hendriklaan, kurz “Fred” genannt. Vor der Buchhandlung Paagman bildete sich eine lange Schlange: Redmond kam.
Redmond, das war Redmond O’Hanlon, Doktor aus Oxford, Fellow of the Royal Geographical Society und Autor solch umwerfend (komisch) erzählter Reisebücher wie Redmonds Dschungelbuch oder Kongofieber (mein erklärter Favorit). Aber, verriet er, die Reiseschriftstellerei habe ihn zu viel gekostet. In erster Linie Gesundheit. Er habe auf seinen Reisen so gut wie jede erdenkliche Tropenkrankheit durchgemacht. Und anschließend sei erst die richtige Härte gekommen: auf jedes seiner Bücher habe er mühselige Jahre seines Lebens verwandt. Jetzt sei er zu alt, um noch einmal in den Dschungel aufzubrechen, und das Bücherschreiben werde er auch besser lassen. “I can’t think of any author who wrote a good book after 60.”

Und das von einem Mann, der angeblich mit Ian McEwan dicke befreundet ist. Ich denke, da läßt ihn sein literaturgeschichtliches Gedächtnis überhaupt ziemlich im Stich, aber für sich hat Redmond O’Hanlon eine Alternative gefunden. Neuerdings erzählt er auf seine unverwechselbar britische Art Reise- und Entdeckergeschichten im Fernsehen. Zum 150. Jahrestag von Darwins “Ursprung der Arten” segelte er 2009-2010, begleitet von einem Filmteam des holländischen Senders vpro und Darwins Ururenkelin Sarah, auf einem Dreimaster Darwins Reise mit der Beagle nach. Die begleitende Fernsehserie hat ihn in den Niederlanden sehr populär gemacht, und daher also die Schlangen vor Paagmans, als sich O’Hanlon voriges Jahr mit Alexander Reeuwijk über dessen Buch “Darwin, Wallace und die anderen” und die Evolution unterhielt. Unverzichtbar dabei: O’Hanlons alter Rucksack, aus dem er nicht nur seine Reisekamera zog, sondern auch andere Utensilien wie Einmachgläser mit eingelegten Giftschlangen, Würmern und ähnlichen Hokuspokus, um seine amüsanten Extemporationen zu Kuriositäten der Evolution anschaulich zu illustrieren.

“Da ist zum Beispiel die Chagassche Krankheit, übertragen von mehreren Arten von Mordwanzen, die einen in Gesicht oder Hals beißen und dann, vollgesogen, am Einstich koten. Wenn man sich kratzt, reibt man die Hinterlassenschaft und eine Ladung Protozoen in den Blutkreislauf; ein Jahr oder auch zwanzig Jahre später beginnt man an unheilbaren Schädigungen von Herz und Gehirn zu sterben [...]
Am beharrlichsten aber schwamm der Candiru durch die Träume meiner unruhigen Nächte, der Zahnstocherfisch, ein winziger Wels. – Solltest du am Amazonas einmal zuviel getrunken haben und beim Schwimmen unwillkürlich urinieren, so hält dich jeder heimatlose Candiru, angezogen vom Geruch, für einen großen Fisch und schwimmt aufgeregt deinen Urinstrom hinauf, hinein in deine Harnröhre wie ein Wurm in sein Loch, hebt seine Kiemendeckel und stellt ein paar rückwärtsgerichteter Stacheln auf. Der Schmerz, heißt es, sei von ganz besonderer Art. Man muß in ein Krankenhaus, bevor die Blase platzt, und dort einen Chirurgen bitten, den Penis abzunehmen.”
(aus: Redmonds Dschungelbuch)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 25. Januar 2013
ausgezoomt

... link (0 Kommentare)   ... comment