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Freitag, 25. März 2011
San Christobal de la Laguna
“Am 20. Juni vor Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg nach Villa de la Laguna, die 682 m über dem Hafen von Santa Cruz liegt.” (680 Höhenmeter, das ist schon was. Wir nahmen die Straßenbahn.) “Der Hügel, auf dem die Stadt liegt, gehört dem System von Basaltgebirgen an, die einen weiten Gürtel um den Pic von Teneriffa bilden. Der Basalt von Laguna ist nicht säulenförmig, sondern zeigt nicht sehr dicke Schichten, die nach Ost unter einem Winkel von 30 – 40 Grad fallen. Nirgends hat er das Ansehen eines Lavastroms, der an den Abhängen der Pics ausgebrochen wäre.
Außer einigen baumartigen Euphorbien, Cacalia Kleinia und Fackeldisteln (Cactus), welche auf den Canarien, wie im südlichen Europa und auf dem afrikanischen Festland verwildert sind, wächst nichts auf diesem dürren Gestein. Unsere Maulthiere glitten jeden Augenblick auf stark geneigten Steinlagern aus. Indessen sahen wir die Ueberreste eines alten Pflasters. Bei jedem Schritt stößt man in den Colonien auf Spuren der Thatkraft, welche die spanische Nation im sechzehnten Jahrhundert entwickelt hat.
Je näher wir Laguna kamen, desto kühler wurde die Luft, und dies thut um so wohler, da es in Santa Cruz zum Ersticken heiß ist.
Die fortwährende Kühle, die in Laguna herrscht, macht die Stadt für die Kanarier zu einem köstlichen Aufenthaltsorte. Auf einer kleinen Ebene, umgeben von Gärten, am Fuße eines Hügels, den Lorbeeren, Myrten und Erdbeerbäume krönen, ist die Hauptstadt von Teneriffa wirklich ungemein freundlich gelegen.
Laguna ist in seinem Wohlstand herabgekommen, seit die Seitenausbrüche des Vulkans den Hafen von Garachico zerstört haben und Santa Cruz der Haupthandelsplatz der Inseln geworden ist; es zählt nur noch 9000 Einwohner, worunter gegen 400 Mönche in sechs Klöstern. Manche Reisende behaupten, die Hälfte der Bevölkerung bestehe aus Kuttenträgern. Die Stadt ist mit zahlreichen Windmühlen umgeben, ein Wahrzeichen des Getreidebaus in diesem hochgelegenen Striche. Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, daß die nährenden Grasarten den Guanchen bekannt waren. Geröstetes Gerstenmehl (gofio) und Ziegenmilch waren die vornehmsten Nahrungsmittel dieses Volkes, über dessen Ursprung so viele systematische Träumereien ausgeheckt worden sind. Diese Nahrung weist bestimmt darauf hin, daß die Guanchen zu den Völkern der alten Welt gehörten, wohl selbst zur caucasischen Race, und nicht, wie die andern Atlanten (Ich lasse mich hier auf keine Verhandlung über die Existenz der Atlantis ein und erwähne nur, daß nach Diodor von Sicilien die Atlanten die Cerealien nicht kannten, weil sie von der übrigen Menschheit getrennt worden, bevor überhaupt Getreide gebaut wurde), zu den Volksstämmen der neuen Welt; die letzteren kannten vor der Ankunft der Europäer weder Getreide, noch Milch, noch Käse.”
(Alexander von Humboldt: Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1803 und 1804)

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Montag, 21. März 2011
Der Cicerone

So, der Mond rundete sich wieder, wir sind schon einen Monat hier; darum auf zu neuen Unternehmungen, meine Damen und Herrn! Höchste Zeit, daß wir die Hauptstadt Heiligkreuz einmal verlassen und etwas mehr von der Insel in Augenschein nehmen. Zu unserem Cicerone, so hießen die Fremdenführer mit Ahnung damals, haben wir uns einen vielversprechenden jungen Mann auserkoren, noch keine dreißig Jahre alt und im Begriff, zur Reise seines Lebens aufzubrechen. Seine Mutter trug den Mädchennamen Colomb, und ihn selbst hat man später einen zweiten Kolumbus genannt, persönlich bezeichnete er sich nach einem Studium u.a. in Göttingen früh als “Nomade zwischen den Wissenschaften”, alles Referenzen, die ihn uns wärmstens empfahlen. Er selbst führte sich bei uns mit den folgenden Worten ein:

“Von früher Jugend auf lebte in mir der sehnliche Wunsch, ferne, von Europäern wenig besuchte Länder bereisen zu dürfen... Dinge, die wir nur aus den lebendigen Schilderungen der Reisenden kennen, haben ganz besonderen Reiz für uns; Genüsse, die uns nicht erreichbar sind, scheinen uns weit lockender, als was sich uns im engen Kreise des bürgerlichen Lebens bietet.”

Genug, junger Mann, das genügt. Sie sind engagiert.
“Im März 1799 wurde ich dem Hofe von Aranjuez vorgestellt. Der König nahm mich äußerst wohlwollend auf”, vollendete er noch, nicht ohne Stolz.
Vom Ersten Staatssekretär hatte er einen Paß erhalten, der ihm volle Reisefreiheit in allen spanischen Besitzungen gewährte und ihn ermächtigte, überall Beobachtungen und Messungen vorzunehmen und Proben zu sammeln, “die ich zur Förderung der Wissenschaft gut finde. Nie hat die spanische Regierung einem Fremden größeres Vertrauen bewiesen. - Und wir sind niemals einer Spur von Mißtrauen begegnet, haben uns nie über menschliche Ungerechtigkeit zu beklagen gehabt.” Und das alles, obwohl Spanien sich damals im Weltkrieg mit England befand.

“Der Augenblick, wo man zum erstenmal von Europa scheidet, hat etwas Ergreifendes. Getrennt von den Wesen, an denen unser Herz hängt, im Begriff, gleichsam den Schritt in ein neues Leben zu tun, ziehen wir uns unwillkürlich in uns selbst zusammen, und über uns kommt ein Gefühl des Alleinseins, wie wir es nie empfunden.
Wir brauchten zur Überfahrt von Coruña nach den Kanarien dreizehn Tage.
Am 19. morgens sahen wir den Berggipfel Naga, aber der Pic von Teneriffa blieb fortwährend unsichtbar. Das Land trat nur undeutlich hervor, ein dicker Nebel verwischte alle Umrisse. Als wir uns der Reede von Santa Cruz näherten, bemerkten wir, daß der Nebel, vom Winde getrieben, auf uns zukam. Das Meer war sehr unruhig, wie fast immer in diesen Strichen. Wir warfen Anker. Aber eben, da man anfing den Platz zu salutieren, zerstreute sich der Nebel völlig, und da erschien der Pic des Teide in einem freien Stück über den Wolken.”



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Freitag, 18. März 2011









Heute darf noch einmal gehuldigt und gejubelt werden:
Das Fahrtenbuch vollendet sein viertes Jahr.

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Mittwoch, 16. März 2011
Auditorio de Tenerife
Auditorio de Tenerife

Ich bin mir recht sicher, daß Señor Santiago Calatrava Valls mindestens eine Karnevalssaison auf Teneriffa und die ausgiebige Lust seiner Bewohner am Feiern miterlebt hat. Nachdem er dort bereits eine neue Messehalle gebaut hatte, bekam er 1989 den Auftrag, für Santa Cruz eine Konzert- und Kongreßhalle zu bauen. 2003 wurde das Gebäude eingeweiht. Vierzehn Jahre nach Auftragserteilung.




Calatrava dürfte seine Dauerbaustelle für fast anderthalb Jahrzehnte einige Male mit unguten Gefühlen besucht haben, aber das Endergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Wegen ihrer Lage und ihrer elegant geschwungenen Form hat man die Halle oft neben Jørn Utzons Sydneyer Opernhaus gehalten und sie wegen ihres hohen Sonnensegels mit einem Segelboot oder einer überschlagenden Welle verglichen.




Für das leuchtende Weiß der Außenwände hat Calatrava, auch als Hommage an Gaudí, Bruchstücke weißer Keramik (Trencadís) verwendet.







Seit letzter Woche bin ich überzeugt, daß Calatrava, der Architekt des Kunst- und Wissenschaftszentrums in Valencia, des “Turning Torso” in Malmö und vieler anderer schöner Bauwerke (selbst über die Kanäle bei Hoofddorp in Holland hat er drei Brücken gespannt, deren Schwung nichts mit der schweren Nässe des Haarlemmermeers gemein hat), daß Calatrava dem Auditorio de Tenerife eine Narrenkappe aufgesetzt hat.


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Dienstag, 15. März 2011
Remain of the Nights



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Freitag, 11. März 2011
Abgetaucht? Eingetaucht? Untergetaucht?
Von allem ein bißchen, und wer gedacht hat, vorbei ist’s mit dem Karneval, Aschermittwoch, der hat seine Rechnung ohne die Tinarifeños gemacht: ein “miercoles de ceniza” oder ähnliches wird von ihnen souverän überspielt. Hier tragen Frauen und Männer heulend (und gleichermaßen als schwarze Witwen verkleidet) eine tote Sardine zu Grab und karnevalieren dann munter weiter.
Hier ein paar Eindrücke vom Rosenmontagszug, der hier selbstverständlich am Dienstag stattfand.



Es strömten Groß und Klein gleichermaßen zur Avenida am Ufer, während die Königinnen entspannt zur Ankleide bummelten.






So schlüpft eine Königin.




Letzte Hand anlegen. – Perfekt.











Der Fahrtenbuchschreiber soll auch gesehen worden sein. In seinem Räuberzivil fiel er in der Menge nicht weiter auf.

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Sonntag, 6. März 2011
Carnaval de Tenerife (1)
Aber wozu lese ich jetzt ein so über alle Ufer fließendes Buch? Wozu lese ich überhaupt in diesen Tagen? Lese ich? In diesen Tagen. Nein, denn gestern brach das Folgende über mich herein. Es hält noch immer an, und so kann ich erst einen ersten Schwung, den Auftakt in ein paar von Bewegung unscharfen Bildern bis zum Erscheinen der ersten Hofdame der Königin zeigen.


































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