
Die Auswurfstätigkeit an der Ausbruchstelle hat seit gestern eher noch etwas zugenommen, anstelle der zunächst aufgerissenen Spalte scheinen sich allmählich zwei Krater zu bilden, aus denen geringe Mengen schwarzer Asche und einiges an Lava austreten (Bild 1, oben). Auf dem zweiten Bild, einer Luftaufnahme aus Richtung Þórsmörk, ist zu erkennen, daß die schwarze Lava inzwischen einen Hang hinab in eine Schlucht fließt und dort Eis und Schnee verdampfen läßt.
Nachdem die Evakuierung abgelaufen ist wie am Schnürchen, beunruhigt die derzeitige Eruption die Isländer nicht weiter. Sie wissen allerdings, daß sie nur erst das Vorspiel zu einem viel gefährlicheren Ausbruch sein könnte.
Seit der Besiedlung der Insel haben sich etwa an der jetzigen Stelle nicht mehr als fünf Eruptionen ereignet. Jedesmal aber folgte ihnen im Abstand von einigen Wochen bis Monaten ein Ausbruch der Katla unter dem benachbarten Gletscher Mýrdalsjökull, und die Katla, Islands zweitgrößter Vulkan, gilt als sehr gefährlich. Ihre Ausbrüche werden oft sehr heftig, und zusätzlich kann sie noch rasant schnell riesige Mengen Eis im Gletscher zum Abschmelzen bringen, sodaß es obendrein zu einem Gletscherlauf mit gewaltigen Überflutungen kommen könnte, wie zuletzt 1996 weiter östlich beim Ausbruch im Vatnajökull. Die Katla ist ziemlich regelmäßig aktiv und im letzten Jahrtausend im Durchschnitt zweimal in jedem Jahrhundert ausgebrochen. Der bisher letzte Ausbruch ereignete sich im Katastrophenjahr 1918. Auch damals kam es zu einem Gletscherlauf, bei dem mehr Wasser vom Gletscher herabschoß, als der Amazonas an seiner Mündung führt. Statistisch betrachtet ist ein neuerlicher Ausbruch der Katla längst mehr als überfällig.
Meanwhile... sind sich einige Leser der britischen Times nicht zu blöd, sich über den Ausbruch als “gerechte Bestrafung” der Isländer für die Icesave-Pleite zu freuen:
“I hope that there is no Humanitarian disaster caused by this eruption. Cant see the British public rushing to raise funds since they stitched us up with their banking!”, schreibt einer in seiner Zuschrift, und ein anderer stimmt hämisch ein: “Ooh, let's all run with lots of international aid..... NOT! Nice photos, think I'll sit back and enjoy them.”
Ein dritter spricht gar vom göttlichen Strafgericht:
“Good! I have, until now, not believed in divine intervention but now I'm not so sure... Leave the money stealing, cheating, whale killing fish eaters to their fate. And not a penny or cent in disaster aid - they have enough of our cash as it is.”
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Die Ausbruchstelle liegt nun auch noch ganz in der Nähe eines beliebten Wanderwegs, nämlich auf dem Fimmvörðuháls, einem Bergsattel zwischen den beiden Gletschern Mýrdalsjökull und Eyjafjallajökull an der Südküste der Insel, über den man von der Küste in das waldbestandene und von Gletschern umringte Tal Þórsmörk im Landesinnern wandern kann. Dort oben hat sich in der Nacht eine etwa kilometerlange Spalte geöffnet, aus der 10-12 Feuersäulen aufsteigen und Lava fördern. Bislang eine überwiegend saure und zähflüssige Lava, die auch nicht von viel Asche begleitet wird. Immerhin regnet es bereits etwas Asche im besiedelten Tiefland, und man hat die Anwohner der dort liegenden Bauernhöfe, etwa 500 bis 600 Menschen, vorsorglich evakuiert. (Im Lauf des Tages sollen sie kurz auf ihre Höfe zurückkehren dürfen, um das Vieh zu versorgen.) Mit einem Gletscherlauf ist vorerst nicht zu rechnen, da sich der Ausbruch bislang nicht unter dem Eis der Gletscher ereignet. Die Flughäfen im Norden und Westen Islands (auch der internationale Flughafen in Keflavík) wurden erst einmal geschlossen. (Im Fall eines Vulkanausbruchs wird in Island obligatorisch der Luftraum im Umkreis von 120 Seemeilen um die Ausbruchstelle gesperrt, damit Flugzeuge nicht Gebiete überfliegen, in denen sie Aschepartikel in die Triebwerke bekommen könnten.)Hier die Aufnahme eines isländischen Bloggers und Fotografen, die die Gegend zeigt. Der Wanderweg und die vermutliche Aussbruchsstelle sind eingezeichnet.

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Während draußen der Sprühregen hoffentlich möglichst viele der umherfliegenden Haselpollen bindet und zu Boden spült, schaffe ich es drinnen allenfalls, zu etwas sprachspielerisch gehobenem Blödsinn wie Kochen mit Fernet Branca zu greifen und mir von Rezepten à la Büffel an Trüffel, Pandschabi in Kohlrabi oder Rotbauchunke in Knoblauchtunke (ein Hosianna dem Übersetzer!) einen vorübergehenden Anflug von Appetit vorgaukeln zu lassen. “Im Rahmen unserer arabischen Wochen kann ich Ihnen den Ân al-Fiq empfehlen, gnädige Frau”, empfiehlt der Oberkellner.“Nicht dass ich viele Grundsätze hätte, gewiss nicht”, gesteht der Erzähler, nachdem er in seinem neuen Werk auf den Trümmern seines toskanischen Landhauses auch noch einen Heiligenkult um Lady Di rediviva eingerichtet hat, “aber einen Glauben an Erscheinungen zu heucheln steht auf einer Stufe mit dem Tabu, das Personal zu bumsen oder Bettlern Geld zu geben. Es ist ein klassisches Dilemma; und wie so ziemlich jedes andere menschliche Dilemma gibt es dafür einen Präzedenzfall in der italienischen Oper.” -
Ich hoffe, es geht mir bald wieder besser und das wirkt sich dann hoffentlich auch auf das Niveau des Fahrtenbuchs aus. Ich möchte doch die Gratulanten nicht enttäuschen.
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Immerhin, als ich das Fahrtenbuch hier zum ersten Mal aufschlug, stand Neuseeland bevor. Ein Jahr später der Oman, im letzten Jahr Island. Und dieses Jahr? Keukenhof?
Eine Tendenz zeichnet sich ab: der Aktionsradius scheint bereits enger zu werden. Wie weit kommt man hinter einem Rollator? Noch hoffe ich, die konzentrischen Kreise einmal wieder durchbrechen zu können. Wir werden sehen. Vorerst nötigt mich der Zwang zur Heranschaffung des Lebensunterhalts allerdings noch, mich ins Joch des täglichen Broterwerbs zu schirren. (Warum sollte es mir besser gehen als den meisten anderen?) Und das bedeutet, wie der Ochs im Geschirr auf die Furche unmittelbar vor sich zu stieren und das Kleingetier zu betrachten, das er vor der letzten Wende aufgepflügt hat. Freuen Sie sich demnächst auf einen Bericht vom Keukenhof.
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Wärmende Sonnenstrahlen, 12° auf dem Balkon: es sieht so aus, als sei dem Winter endlich das Genick gebrochen. Rundum erscheinen Menschen in den Gärten, rechen altes Laub zusammen, bereiten Beete auf den Frühling vor. (Noch drei Tage!) Heute gäbe ich das ganze Königreich für einen Garten. Mit den Händen in Erde graben!
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Noch kein Verbrennungsmotor im Einsatz, d.h. kein Dampfschiff, keine Eisenbahn, kein Auto, kein Flugzeug, aber der Sohn eines Dorfpfarrers aus der polnischen Kaschubei bereist mit 10 Jahren Rußland, übersetzt mit 13 Lomonossovs Russische Geschichte ins Englische, von einer Fremdsprache in eine andere also, zieht mal eben von Ostpreußen nach London um und geht mit 17 auf seine erste Weltumsegelung unter keinem Geringeren als Captain Cook.
Als er sich danach in Mainz verständlicherweise mopst, besteigt er wie unsereins ein Schiff der Köln-Düsseldorfer für einen Ausflug rheinabwärts und hat mal eben einen Alexander von Humboldt als Reisegenossen dabei.
Hätte man bei Kaffee & Kuchen auf dem Sonnendeck neben ihnen gesessen und wäre durch den schönen Rheingau getrieben, hätte man hören können, wie sie sich über die ästhetischen Auswirkungen des Weinbaus auf die Landschaft unterhielten:
“Der Weinbau giebt wegen der krüppelhaften Figur der Reben einer jeden Landschaft etwas Kleinliches; die dürren Stöcke, die jetzt von Laub entblößt, und immer steif in Reih' und Glied geordnet sind, bilden eine stachlichte Oberfläche, deren nüchterne Regelmäßigkeit dem Auge nicht wohl thut... ihre Einförmigkeit ermüdet endlich, und wenn gleich die Spuren von künstlichem Anbau an ihrem jähen Gehänge zuweilen einen verwegenen Fleiß verrathen, so erwecken sie doch immer auch die Vorstellung von kindischer Kleinfügigkeit... selbst die Lage der Städtchen, die eingeengt sind zwischen den senkrechten Wänden des Schiefergebirges und dem Bette des furchtbaren Flusses, – furchtbar wird er, wenn er von geschmolzenem Alpenschnee oder von anhaltenden Regengüssen anschwillt – ist melancholisch und schauderhaft.”Der romantische Blick auf das Rheintal entwickelte sich eben erst einige Jahre später.
Bei einem kurzen Landgang hätten einem neben den beiden ganz schön die Ohren geklungen:
“In Bacharach und Kaub, wo wir ausstiegen und auf einer bedeckten Galerie längs der ganzen Stadtmauer hin an einer Reihe ärmlicher, verfallener Wohnungen fortwanderten, vermehrten die Unthätigkeit und die Armuth der Einwohner das Widrige jenes Eindrucks... Aber auch in ergiebigeren Gegenden bleibt der Weinbauer ein ärgerliches Beispiel von Indolenz und dar aus entspringender Verderbtheit des moralischen Charakters. Der Weinbau beschäftigt ihn nur wenige Tage im Jahr auf eine anstrengende Art; bei dem Jäten, dem Beschneiden der Reben u.s.w. gewöhnt er sich an den Müßiggang, und innerhalb seiner Wände treibt er selten ein Gewerbe, welches ihm ein sicheres Brodt gewähren könnte.”13 Stunden brauchte das Schiff übrigens damals von Mainz bis Boppard, dessen Gasthäuser im “Forster” auch nicht gerade mit vielen Sternen ausgezeichnet wurden.
Am nächsten Tag wäre uns im Angesicht der Gefängnisfestung Ehrenbreitstein bei Koblenz ein Vortrag über die (gerade erst formulierten) unveräußerlichen Menschenrechte zuteil geworden, und beim Besuch der Herrnhuter in Neuwied stellte Forster einige gerade wieder hochaktuelle moralphilosophische Betrachtungen zum Verhältnis von Körper und Geist und geschlechtlichem Umgang an.
Ich glaube in meiner Erfahrung hinlänglichen Grund zu der Überzeugung zu finden, daß man in der Welt nie stärker gegen das Böse und seine Anfechtungen ist, als wenn man ihm mit offener Stirne und edlem Trotz entgegengeht: wer vor ihm flieht, ist überwunden. Wer steht uns auch dafür, daß, wo der gebundene Wille mit der erkannten Pflicht im Kampfe liegt, die Sünden der Einbildungskraft nicht unheilbarer und zerrüttender seyn können, als die etwanigen Folgen eines gemischten und durch freiwillige Sittsamkeit gezügelten Umgangs! Giebt es nicht wollüstige Ausschweifungen der Seele, welche strafbarer als physische Wollüste sind, da sie den Menschen im wesentlichsten Theile seines Daseyns entnerven? [...] Die Täuschung, womit man sich über den Gegenstand dieser Entzückungen hintergeht, ist so vollkommen, daß die tiefste Tiefe, wohin der menschliche Geist sinken kann, dem Verblendeten die höchste Stufe der Tugend, der Läuterung und der Entwicklung zum seligen Genusse scheint. Genau wie die Entartung des physischen Triebes die Gesetze der Natur beleidigt, eben so muß in einem noch ungleich höheren Grade der Seelenraub strafbar seyn, den man durch jene unnatürliche Vereinigung mit einer Idee, am ganzen Menschengeschlechte begeht. Geistesarmuth ist der gewöhnliche, jedoch von allen gewiß der unzulässigste Vorwand zu dieser Theopornie*, die erst in der Einsamkeit und Heimlichkeit angefangen, und dann ohne Scheu öffentlich fortgesetzt wird. Zuerst ist es Trägheit, hernach Egoismus, was den Einfältigen über die natürlichsten Mittel, seinem Mangel abzuhelfen, irre führt.
Theopornie. Man lernt doch noch immer tolle Wörter dazu. Das Neue Rheinische Conversations-Lexicon oder encyclopädische Handwörterbuch für gebildete Stände von 1834 führt es unter dem Stichwort Mystizismus auf als Ausdruck für "Vergröberungen des reinen Geistesgenusses". Dr. Joh. Christ. Aug. Heyse's Allgemeines verdeutschendes und erklärendes Fremdwörterbuch oder Handbuch zum Verstehen und Vermeiden der in unserer Sprache gebräuchlichen fremden Ausdrücke (Berlin 1902) erklärt es schon deutlicher als "Hurerei der Gottesdiener".... link (0 Kommentare) ... comment
“Den ganzen Winter muss ich kompilieren und übersetzen! Mein Kopf ist leer, ich weiß der Welt nichts Eigenes mehr zu sagen. Wer doch auch nach Italien oder nach England oder nach Spanien oder noch weiter hin, wo nur irgend Neues zu sehen ist, reisen könnte! Denn am Ende, mehr hat man doch nicht, als was einem durch diese zwei kleinen Öffnungen der Pupille fällt und die Schwingungen des Gehirns erregt! Anders als so nehmen wir die Welt und ihr Wesen nicht in uns auf. Die armseligen vierundzwanzig Zeichen reichen nicht aus; etwas ganz anderes ist die Gegenwart der Dinge und ihr unmittelbares Einwirken.”
Schrieb Georg Forster im Herbst 1788 an seinen Düsseldorfer Freund Jacobi, nachdem der Weltumsegler, an einer zweiten Weltreise gerade verhindert, eine neue Stelle als Bibliothekar im geistlich regierten Mainz angetreten hatte.Im nächsten Sommer stürmte in Paris das Volk die Bastille und betrieb Umsturz und Weltgeschichte. Der Dritte Stand schaffte in der Nationalversammlung am 5. August 1789 adelige Privilegien, Leibeigenschaft und Frondienste ab. “Welch eine Sitzung”, schrieb Forster. “Ich glaube, sie ist noch in der Welt ohne Beispiel.”
“Frankreich schuf sich frei. Des Jahrhunderts edelste Tat”, dichtete Klopstock im dänischen Altona.
“O Schicksal! das sind sie also, das sind sieEin Georg Forster konnte da nicht mehr still in jesuitischen Bücherkellern und Karthausen sitzen. Im nächsten Frühjahr brach er auf. Als Begleiter kam der 21jährige Alexander von Humboldt mit, der „kleine Apotheker”, der an der Uni Göttingen gerade Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein veröffentlicht und damit die Bekanntschaft des berühmten empirischen Naturforschers Forster gesucht hatte. Vor genau 220 Jahren bestiegen sie im März 1790 ein rheinab fahrendes Schiff. Doch es ging diesmal nicht über den Welthafen Amsterdam zur unauffindbaren Terra australis, zu den Menschenfressern Neuseelands oder gar zum märchenhaften O‘Tahiti. “Auf der Fahrt durch das Rheingau hab‘ ich, verzeih es mir der Nationalstolz meiner Landsleute! eine Reise nach Borneo gelesen”, beginnt Forsters Reisebericht ein wenig gelangweilt, die 1791 und ‘94 erschienenen Ansichten vom Niederrhein.
Unsere Brüder die Franken; und wir?
Ach ich frag, umsonst; ihr verstummet, Deutsche! Was zeiget
Euer Schweigen? bejarhter Geduld
Müden Kummer? oder verkündet es nahe Verwandlung?
Wie die schwüle Stille den Sturm,
Der vor sich her sie wirbelt, die Donnerwolken, bis Glut sie
Werden, und werden zerschmetterndes Eis!
Nach dem Wetter, atmen sie kaum die Lüfte, die Bäche
Rieseln, vom Laube träufelt es sanft,
Frische labet, Gerüch' umduften, die bläuliche Heitre
Lächelt, das Himmelsgemälde mit ihr;
Alles ist reg', und ist Leben, und freut sich!”

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Kleine Flucht ins östliche Ausland. Arnheim, Nimwegen, über Rhein und Waal, dann die Grenze auf dem letzten Tropfen. Tanken. Jeder Liter 12 Cent billiger als in Holland. Früher unternahmen wir hin und wieder eine Butterfahrt nach Venlo, heute lohnt es sich mehr in umgekehrter Richtung. Sonst nicht viel Unterschied, in der Landschaft, den Leuten, ihrer Mundart. Und doch.Leere Spargelfelder, leere schwarze Folienfelder für die Frühanzucht; aber noch ist es zu kalt. Richtig winterlich kalt auf dieser offenen Plaine, auf der ein eisiger Nordwind zieht.
Dann die winzig kleine Stadt mit der riesengroßen Blumen- und Gemüsebörse und, fast unerklärlich, einem einzigartigen Hort für Literatur. Was hätte Hüsch, der Meister vom Niederrhein, nur dazu gesagt? Hat er eigentlich Elmar Tophoven gekannt? “Schon möglich, Sir”, sagte Yvonne de Carlo, und die Vorstellung war zu Ende, alle Männer schlugen die Krägen hoch und sahen ein bißchen wie Richard Widmark aus.
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