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Donnerstag, 19. Juni 2008
Abend im Camp
Das kleine Camp lag in einer Senke zwischen hohen Wanderdünen versteckt. Wir entdeckten es erst, als wir den Kamm einer letzten vorgelagerten Düne erreichten. Ein Zaun versuchte Tiere und das Vordringen des Sandes abzuhalten, doch auf der uns gegenüberliegenden Seite hatte sich eine Düne schon dicht an den Zaun herangeschoben und ragte gut dreißig Meter über den Halbmond aus kleinen Palmhütten in die Höhe. In der Mitte stand ein knorriger toter Baum, an dem ein paar Petroleumlampen in der Abenddämmerung glommen.
Beim Abendessen auf dem teppichbelegten Podest unter dem Palmblätterdach eines halboffenen Madschlis' - Claudia hatte aus Maskat einen großen Fisch mitgebracht, den zwei indische Hausangestellte mit einem Curry und frischem Salat lecker zubereiteten - fragte ich Raschid nach seinem Vater, dem höflich schweigsamen, zu seinen Tieren aber so sanftmütigen Bedu. Ja, das Leben mit den Kamelen in der Wüste liebe sein Vater über alles, gab er zurück. Aber ihm sei auch vor Jahren schon klar geworden, dass er damit allein die Zukunft seiner Kinder nicht mehr sichern könne. Als Erster in der Gegend habe er sie in Schulen nach Maskat und sogar ins Ausland geschickt, damit sie das Leben dort und die Vorstellungen der Fremden kennenlernen sollten und vieles andere, mit dem sie später gemeinsam aus ihrem Alltagsleben in der Wüste zusätzliche Einkünfte erzielen konnten. Ein Bruder von ihm sei beispielsweise Mechaniker und kümmere sich um die Fahrzeuge für Wüstentouren, er selbst habe wegen seiner Sprachkenntnisse und Auslandserfahrungen die Betreuung der Touristen übernommen. Das Camp hier hätten sie alle gemeinsam aufgebaut; dann aber habe sein Vater eines Tages erklärt, er wolle sein Beduinenleben wieder aufnehmen, die berühmten Kamele der Sharquiyah züchten und mit ihnen durch die roten Sande ziehen. - Nach kluger Voraussicht eine souveräne Entscheidung, dachte ich. Selbstbescheidung und Erfüllung in einem. “Weißt du übrigens, wo für uns Bedui die Wüste anfängt?”, fragte Raschid. “Da, wo die Feinheit und Weichheit des Sandes so unwiderstehlich wird, dass wir einfach die Sandalen ausziehen und barfuß weitergehen müssen.”
Die Herzogin und ich saßen nachher noch lange auf den beiden Klappstühlen vor unserer Hütte. Die Petroleumlampen waren bis auf eine gelöscht worden. Kein Lichtschein vom Boden minderte das Funkeln der Sterne, von denen es dort oben so viele gab, dass wir die gewohnten Konstellationen kaum wiederfinden konnten.

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