Das vollendete Datum schlechthin. 12, die erste und einzige erhabene Zahl unter einer Billion, Zahl kosmologischer Ordnung: 12 Stunden des Tages und 12 Stunden der Nacht, 12 Monate des Jahres, zwölfjähriger Umlauf des Jupiter, 12 Tierkreiszeichen am Sternhimmel. 12 Rauhnächte, 12 olympische Gottheiten, 12 Stämme Israels, 12 Imame in der Nachfolge Mohammeds. 12 = 3x4 = heilige Trias (Körper - Seele - Geist, Ich - Es - Über-Ich) x 4 Elemente, 4 Himmelsrichtungen und Weltenden...
Irgendetwas Rundes, Abgeschlossenes, Perfektes, Vollendetes sollte sich doch heute ereignen. Aber nein, der Wagen springt wieder nicht an. Sonst ein grauer, leicht regnerischer Halbwintertag in einer grauen Stadt an einem grauen Meer – die Apotheose des Alltags schlechthin. Soll vielleicht so ein Durchschnittstag das Vollendete sein?
Zum Teufel mit aller Numerologie und Zahlenmystik!
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Heute hat nun der Herzschlag ausgesetzt.
Keine Stimme drang mehr
bis an mein Ohr
Unerreichbar, entglitt ich
der Liebsten, anwesend
und nicht mehr da
Gerhard Schönberner (1931-2012)
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Berlin also glücklich entronnen, aber in der Nacht und am Morgen auch hier am Meer 1 kurzer Winterüberfall. Schraffierendes Schneetreiben, fadenscheinige weiße Decke über allem. Meine bisherige Decke erwies sich in der Nacht als zu dünn, ich fror wie ein Schneider. Und prompt springt am Morgen der Wagen nicht mehr an, trotz letzte Woche eingebauter neuer Batterie. Murks, alles.
Ich glaube, ich probier’s mal mit Voodoo und Magie: reiße die nächsten drei Monatsblätter vom Kalender ab und hoffe, daß der Winter nach dem Wochenende vorbei ist und in den Gärten der Frühling ausbricht.
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“Uii, da sage nochmal jemand was gegen Putin”, entfuhr es der Herzogin gestern abend bei der Tagesschau.
Wie war das noch: “Diktaturen ist der Nachweis wichtig, daß die Freiheit, Nein zu sagen, bei ihnen nicht ausgestorben ist... Diktaturen können von der reinen Zustimmung nicht leben... Zwei Prozent weisen nach, daß zwar die Guten in ungeheurer Mehrheit, doch auch nicht gänzlich ungefährdet sind.”
98% ermittelte Jünger in seinen Überlegungen im Waldgang-Essay als gewünschtes Wahlergebnis in Diktaturen. Und mit wie vielen Stimmen wurde Frau Merkel gestern als Vorsitzende einer demokratischen Partei im Amt bestätigt? Na, so ein Zufall: 98%.
Was mich nun am meisten interessiert, ist die Frage, ob “die Märkte” ihr tatsächlich noch die Zeit lassen, um ihre Wiederwahl zur Kanzlerin ebenso glatt und geschmiert über die Bühne gehen zu lassen, oder ob sie ihr die Petersilie verhageln, indem sie entweder den richtig großen Schuldenschnitt oder den Totalzusammenbruch Griechenlands schon vor dem nächsten September herbeiführen. Wer schon einmal eine Schwangerschaft miterlebt hat, weiß, wie lang neun Monate werden können.

mal nicht im Hosenanzug
Bislang verfolgen alle Akteure ja noch die Taktik, die Katze scheibchenweise aus dem Sack zu lassen. Wie lange hat denn Finanzminister Schäuble (der – unvergessen – vor zwölf Jahren wegen seines vergeßlichen Umgangs mit Geld als Vorgänger Merkels gestürzt ist) immer wieder beteuert, die ganzen Griechische-Banken-Hilfen würden die deutschen Steuerzahler nichts kosten? Seit dem letzten Ministertreffen in Brüssel kosten sie uns nun doch etwas.
Mein Gott, 730 Millionen. Erdnüsse! Das ist ja nur geringfügig mehr als der Etat des Justizministeriums. (Das könnten wir eigentlich auch ganz einsparen, die Leutheuser-Schnarrenberger geht dem Friedrich sowieso nur auf den Senkel mit ihren Bedenken gegen seinen Überwachungsstaat.)
Die jetzt als “zumutbar” eingestufte Summe ist aber nur die Einstiegsdroge, ein erstes Appetithäppchen, damit wir uns bei folgenden größeren Brocken nicht etwa verschlucken und das große Aufstoßen kriegen, wenn die Politiker uns nach und nach die ganze dicke Wurst in den Rachen stopfen werden.
Daß es so kommt, pfeifen mittlerweile sogar schon die Wirtschaftsweisen von den Dächern. Wir werden gleich dreifach gemolken werden, stellte die FAZ in einem lesenswerten Artikel fest: “als Steuerzahler, Gläubiger der Krisenstaaten und - nicht zuletzt - als Sparer und Besitzer von Geldvermögen.
Die Banken und Versicherungen haben [dagegen] ihre Lobbyarbeit offenbar gut erledigt... Sowohl in der Bankenkrise als auch in der Staatsschuldenkrise haben die Gläubiger - das waren vor allem Banken, Versicherungen und Fonds - die Politiker davon überzeugen können, dass das Risiko, sie pleitegehen zu lassen, zu hoch sei.”
Der Bankenverband gibt an, beim ersten Schuldenschnitt für Griechenland hätten die Banken über 100 Milliarden Euro abschreiben müssen. Nach Berechnungen der Allianz, so die FAZ, seien es aber lediglich 25,5 Milliarden gewesen.
“‘Eine Gläubigerbeteiligung ist auch nach den Regeln des ESM nicht vorgesehen’, sagt Oliver Holtemöller, Wirtschaftsprofessor vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. ‘Man kann also insgesamt sagen, dass die Kosten der Krise überwiegend dem Steuerzahler aufgebürdet werden.’”
Wie hoch die Gesamtkosten am Ende ausfallen werden, darüber gibt es bislang nur ungefähre und weit auseinanderliegende Schätzungen. Am konservativsten rechnet natürlich Schäubles Finanzministerium und beziffert den schlimmsten Ausfall mit gut 70 Milliarden. Ein Bericht in den Deutschen Mittelstandsnachrichten kommt auf “mittlerweile 93,67 Milliarden Euro” mittel- und unmittelbarer deutscher Kredite für Griechenland. Der Bund der Steuerzahler beziffert in dem FAZ-Artikel das Haftungsrisiko Deutschlands insgesamt auf 509 Milliarden Euro. Das wären mehr als 83% der für dieses Jahr geschätzten Gesamteinnahmen des Bundes. M.a.W. von 100 Euro, die der deutsche Fiskus in diesem Jahr einnimmt, dürfte er bis zu 83 Euro den Gläubigern überweisen, bei denen er für Griechenland haftet. Blieben uns noch 17 von 100. Der nächste Bundeshaushalt dürfte dann erheblich anders aussehen als in Schäubles veröffentlichten Plänen.
Wird er dann wieder einmal den “eisernen Sparer” geben? (Oder wird Steinbrück ihm in der nächsten großen Koalition diese Rolle abnehmen?) Oder sind nach den gewaltigen christlich-liberalen Steuererleichterungen der letzten fetten Jahre für die nächste Legislaturperiode schon die christlich-sozialdemokratischen Steuererhöhungen vorprogrammiert?
“Kurzfristig dürfte die Politik die zusätzlichen Belastungen des Staatshaushalts über eine höhere Staatsverschuldung in Deutschland ausgleichen”, meint DIW-Ökonom Fichtner in der FAZ. “‘Langfristig wird die Politik eher die Steuern erhöhen, als die Ausgaben zu kürzen’... Ausgabenkürzen bedeutet für Politiker immer eine Einschränkung der Möglichkeit, Wohltaten zu vergeben - und das versuchen sie zu vermeiden.
‘Je nach Ausgestaltung könnte die Einkommensteuer die Reicheren stärker belasten, die Mehrwertsteuer würde die einkommensschwächeren Bevölkerungsteile überproportional belasten, da diese einen größeren Teil ihres Einkommens für den Konsum verwenden’, sagt Fichtner. Diese Abwägung wäre eine politische Entscheidung.”
Und wie die ausgehen wird, kann man schon längst deutlich erkennen, bei uns und an der Politik in den Krisenländern: “Eine Bevölkerungsgruppe, die im Prinzip auch stärker an den Lasten der Krise beteiligt werden könnte, kommt offenbar wie die Staaten-Gläubiger mit einem blauen Auge davon. Das sind die reichen Teile der Bevölkerung in den Krisenländern. Nach wie vor funktioniert beispielsweise in Griechenland die Besteuerung der Reichen nicht richtig, wie alle Untersuchungsberichte übereinstimmend attestieren. Zum Teil ist das Geld der Vermögenden auch längst im Ausland und steigert etwa in London die Preise für Wohnungen.”
Wie die Faust aufs Auge passen dazu die vielen Meldungen der vergangenen Tage, denen zufolge Griechenlands vormaliger Ministerpräsident Papandreou durch seine 89-jährige Mama unter einem Decknamen 550 Millionen Euro Familienvermögen schwarz in die Schweiz schaffen ließ. “Maria Panteli, Büroangestellte” ist nur einer der annähernd 2000 Namen von reichen Griechen auf der sogenannten Hot doc/Lagarde-Liste, die in den neun Jahren von 1998-2007 rund 13 Milliarden Euro auf Schweizer Konten verschoben haben. Das ist die Art, in der sich die Reichen an der Rettung des geliebten “Vaterlands” beteiligen, das ihnen allemal an dem Arsch vorbeigeht, dem das Hemd näher ist als der Rock.
Dazu fällt einem doch gleich Ludwig Thomas Gedicht an die “Vaterlandslosen Gesellen” ein:
Hebt wieder einer gegen euch die Hand,
Und spricht, ihr Armen habt kein Vaterland,
So steht doch auf und fragt ihn einmal frei,
Was unser Deutschland für den Reichen sei!
Ist es das Land, das er mit Arbeit schmückt...
Ist es das Land, das er im Herzen liebt,
Für das er duldet und für das er gibt?...
Und nicht das Land, in dem er Schätze rafft?
Und nicht das Volk, das mühsam für ihn schafft?
Nicht deutsch, nicht Heimat, nur ein Fetzen Welt,
So feil, wie alles, um sein schnödes Geld!
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Berliner Nationalgericht, stilecht in der, Einheimischen zufolge, besten Frittenbude Kreuzbergs verschlungen.
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Kürzlich unter dem Eindruck noch von Finnland und "Waldgang" als Kontrapunkt einen sehr düster eindrucksvollen russischen Film gesehen: Sibirien, Monamour. Gedreht wurde er letztes Jahr an der Mana. Sie entspringt in den Sajanbergen südwestlich des Baikalsees und mündet bei Krasnojarsk in den Jenissei. Unglaublich schöne Landschaftsaufnahmen; und obwohl kaum ein größerer Gegensatz denkbar ist, dachte ich an die dunkle Spätherbst- und Winterstimmung des Films zurück, als ich dieser Tage durch Dieffenbach-, Grimm-, Graefe- und andere Straßen am Urban durch Kreuzberg lief.
Viel schlimmer kann Krasnojarsk auch nicht sein.
"Det is Balien, wa?!" - Hansi Hinterseer und das Tiroler Echo. Und die Opas von Deep Purple als Vorgruppe zum Anheizen. Und obendrüber steht: "Wir plakatieren Kultur".
Ja, das ist Berlin, wie es singt und lacht.
Die aktuelle Novemberluft – das ist für mich die soziale Temperatur Berlins rund ums Jahr.
Kreuzberg, Du inzwischen mit deinen Fair-Trade-Läden, Bio-LPG’s und jungen Akademikerfamilien mit Bakfietsen für die Kinderschar und polnischen Putzfrauen im dritten Hinterhaus, mit scheußlicher “Britfood”, Saftläden, schwulen Backstuben, Ach-so-Alternativcafés, eurem “kleinen Italiener an der Ecke”, von Türken der dritten Generation geführt, mit Vollwert-Partyservice, aber Psychotherapeutenpraxen in jedem siebten Haus am Kanal und gelegentlich ein paar Spritzen im Hauseingang – all das stößt mich unendlich ab. Genauso dein gewursteltes Sich-Einrichten in diesem auch noch irgendwie stolz so genannten “Kiez”, in deiner pseudoheilen Parallelwelt, aus der nie ein wirkliches Miteinander wird. Es ist doch schon wikipedianotorisch, wie fein säuberlich man weiterhin auf Separation achtet:
“Im östlichen Teil der [Dieffenbach-]Straße dominiert eine türkische [sic] geprägte Bevölkerung das Straßenbild, Bewohner mit arabischem Migrationshintergrund sind selten, während westlich der Graefestraße deutsche oder westeuropäische Bewohner in der Regel unter sich sind.”
Und nicht einmal die sind sich untereinander grün. Neuerdings beschimpfen deine “Alteingesessenen”, die erst nach dem Mauerfall aus Vlotho oder Lippe-Detmold herzogen, die nach ihnen Kommenden als “Schwaben”, die nur die Mieten und Immobilienpreise ruinieren. Schöne Toleranz und Weltoffenheit! Frag sie, wann sie das letzte Mal nur allein in einem anderen Teil der Stadt wie Steglitz oder Zehlendorf waren! Ja, was soll man denn da? Der Nabel der Welt ist doch “Mitte” (mehr braucht man ja gar nicht zu sagen) und eben Kreuzberg.
Aber wieviel Verdrängungsleistung ist notwendig, um den ganzen Schmuddel und Dreck auf den Straßen und Plätzen täglich zu übersehen, vor der Häßlichkeit der taubenverschissenen Mietskasernenfassaden und Trottoirs ebenso die Augen zu verschließen wie vor allem vor den auffällig Ver- und Gestörten, den Gescheiterten mit den verheerten Gesichtszügen und den Kaputten unter den Kapuzenpullis, die einmal schwarz waren, mit den unstet ausweichenden Blicken, von denen vielleicht schon bald einer Amok läuft? Wer könnte es ihm eigentlich verdenken?
Schönen 1. Advent auch!
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Rückweg über Berlin, wo ein alter Bekannter im Sterben liegt. Bevor ihn die verheerenden Schlaganfälle trafen, veröffentlichte er ein kleines Bändchen Prosagedichte unter dem Titel Fazit. Martin Walser schrieb dazu in der Zeit (23.6.12): “Mir ist keine Literatur in deutscher Sprache bekannt, die den Gedichten Schoenberners vergleichbar wäre. Vergleichbar in der Härte und Genauigkeit der Mitteilung dessen, was Deutschland im 20. Jahrhundert vollbrachte.”
Hier ist eins von ihnen:
Familienchronik
Elli und Franz verließen Deutschland
auf der Flucht vor ihren Landsleuten
Seine Schwester fiel ihnen in die Hände
Arthur entkam der Erschießung
in Spanien und floh nach England
Dörte half dem Maquis im besetzten Paris
Ernst überlebte das Jahr 37 nicht
Els kehrte aus Karaganda zurück
Die Tochter lehrt Russisch in Washington
Peter wurde befreit aus dem Lage
Frau und Kind retteten falsche Papiere
Paul, seinen Bruder, holte die Gestapo
Martha und Dora verloren ihre Wohnung
in einer Bombennacht. Unsere Familie
und alle Verwandten wurden zwangsumgesiedelt
So viel für heute
aus der Familienchronik
ihrer und meiner
Gerhard Schönberner, 1931 in der Neumark geboren und 1945 von dort nach Berlin geflüchtet, gehörte zu den ersten, die aktiv an der Aufklärung der Nazi-Verbrechen mitarbeiteten. Sein Buch Der gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1945 von 1960 war eine der ersten umfassenden Bestandsaufnahmen und ist bis heute in mehreren Neuauflagen ein Standardwerk geblieben. 1980 diente es Dieter Hildebrandt als Grundlage für seinen gleichnamigen Dokumentarfilm. Zu der Zeit war Gerhard Schönberner Direktor des Deutschen Kulturzentrums in Tel Aviv, gewiß keine einfache Aufgabe. Von dort wurde er zum Gründungsdirektor der Gedenkstätte im Haus der Wannsee-Konferenz berufen und übernahm anschließend das Ehrenamt des Writers-in-Prison-Beauftragten im deutschen PEN. Sein Leben lang hat er sich für Verfolgte eingesetzt. Jetzt geht sein achtzigjähriges Leben zu Ende, ein verdienter Mann verläßt in aller Stille die Welt, die er trotz allem sehr geliebt hat.
Die hölzerne Mondgöttin
aus Benin, federleicht...
und noch ein paar andere
Bilder, Bücher und
Geräte des Alltags
werden ihre Liebhaber finden
Aber alles andere...
Von einer Minute zur anderen
zerfallen zu Müll
den die Stadtreinigung
in schwarzen Plastiktüten davonträgt
heute oder übermorgen
wenn der Herzschlag aussetzt
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