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Samstag, 10. November 2012
Den Fluß hinauf und in die Wälder! (Waldgang I)
Seltsame Schriften können einem auf diesem Weg in die Hände fallen, wie etwa die Auszüge aus der folgenden mit dem einschlägigen Titel “Der Waldgang”, ein recht merkwürdiger, stellenweise befremdlicher Versuch von “Betrachtungen zur Zeit”, geschrieben vor mehr als einem halben Jahrhundert unter dem Eindruck der katastrophalen Erfahrungen von Nazi-Diktatur und Zweitem Weltkrieg, teils natürlich veraltet und überholt, teils absonderlich in seinen Gedankengängen, doch an anderen Stellen den Eindruck beklemmender Aktualität erweckend.


1| “Wir leben in Zeiten, in denen ununterbrochen fragestellende Mächte an uns herantreten. Und diese Mächte sind nicht nur von idealer Wißbegier erfüllt... Man wird das an der Entwicklung verfolgen können, die vom Wahlzettel zum Fragebogen führt.
Die Beteiligung erscheint gefährlich, wo man die Wissenschaft des Fingerabdrucks und durchtriebene statistische Verfahren in Rechnung ziehen muß. Warum soll man denn wählen in einer Lage, in der es keine Wahl mehr gibt. Die Antwort lautet, daß unserem Wähler durch den Wahlzettel Gelegenheit geboten wird, sich an einem Beifall spendenden Akt zu beteiligen.

Diktaturen ist der Nachweis wichtig, daß die Freiheit, Nein zu sagen, bei ihnen nicht ausgestorben ist... Diktaturen können von der reinen Zustimmung nicht leben... bei hundert Prozent guter Stimmen [würde] der Terror sinnlos werden... Zwei Prozent weisen nach, daß zwar die Guten in ungeheurer Mehrheit, doch auch nicht gänzlich ungefährdet sind.
Das ist der Punkt, an dem der Wahlzettel zum Fragebogen wird... Man darf gewiß sein, daß jene zwei Prozent nach den Regeln der doppelten Buchführung auch in anderen Registern als denen der Wahlstatistik in Erscheinung treten, wie etwa in den Namenslisten der Zuchthäuser und Arbeitslager.”



2| “Wir wollen uns damit begnügen, die eigenartige Figur des Mannes zu betrachten, der ein solches Lokal in der festen Absicht, mit Nein zu stimmen, betreten hat.
Indem unser Wähler sein Kreuz an die gefährlichste Stelle setzte, tat er gerade das, was der übermächtige Gegner von ihm erwartete. Das ist die Tat eines gewiß tapferen Menschen, aber zugleich eines der zahllosen Analphabeten in den neuen Machtfragen... Er gab, indem er sich dabei ganz unverhältnismäßig gefährdete, dem Gegner die erwünschten Aufschlüsse.
Der Wähler steht vor der Klemme, daß er zur freien Entscheidung eingeladen wird durch eine Macht, die sich ihrerseits nicht an die Spielregeln zu halten gedenkt... Daher kann niemand ihm einen Vorwurf machen, wenn er nicht auf die Fragestellung eingeht und sein Nein verschweigt. Er ist dazu berechtigt nicht nur aus Gründen der Selbsterhaltung, sondern es kann sich in diesem Verhalten auch eine Verachtung dem Machthaber gegenüber offenbaren.
Man könnte fragen, ob denn die eine, auf dem Stimmzettel vermerkte Absage sinnlos sei? – Nein, eine solche Stimme kann nicht verloren gehen... Sie wird den Gegner nicht erschüttern, doch verändert sie jenen, der sich zu ihr entschloß.”

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Mittwoch, 7. November 2012
Nach der Wahl in die Wälder

1 Licht im Nebel

Nur 2.600.000.000 verpulverte Wahlkampfdollar später bleibt erwartungsgemäß alles beim Alten. Nach Berechnungen der SZ waren es sogar 6 Milliarden. Allerdings behauptet die Zeitung auch, Geld würde keine Präsidenten machen, und die "angepißten Milliardäre" wie Donald Trump würden sich nur schwarz ärgern. Ersteres darf man getrost nach wie vor bezweifeln. Wes Geistes Kind dieser Vollpfosten Trump ist, offenbarte er ganz ungeniert bei seinem Twittern zur Wahl. Hier eine Auswahl der Tweets von @realDonaldTrump am 7.11.:
"We can't let this happen. We should march on Washington and stop this travesty. – Lets fight like hell and stop this great and disgusting injustice! The world is laughing at us. – This election is a total sham and a travesty. We are not a democracy! – It's freezing and snowing in New York--we need global warming! – The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive. – Beijing had a bigger celebration than Chicago last night. The Chinese are happier with the election than we are..."

Kann man Amerika zur Wiederwahl Obamas gratulieren? Vielleicht. Man müsse eben, schreibt die Zeit, “auch diesen Präsidenten als Teil eines Systems begreifen, das eine gefährliche Nähe zwischen Geld und Macht kennzeichnet.”
Dem Rest der Welt kann der Ausgang dieser Wahl eigentlich ziemlich egal sein oder auch gerade nicht, denn die Außenpolitik der USA wird sich nicht bessern, das weltweite Morden der Amerikaner und ihrer Verbündeten wird so oder so weitergehen. In Afghanistan z.B. noch über 2014 hinaus: “auch nach einem Abzug der Kampftruppen wird die NATO in Afghanistan weiterhin mit Soldaten präsent sein [...] - auch Deutschland”, hieß es gerade erst in der Sendung “Streitkräfte & Strategien” auf NDR-Info. Und weiter: “Dazu kommt, dass die Mitgliedsstaaten der NATO, die sich an einer Nachfolgemission beteiligen, die Zusage der afghanischen Regierung verlangen, dass ihre Soldaten strafrechtlich nicht durch afghanische Behörden zur Verantwortung gezogen werden und praktisch Immunität genießen.” – Wozu, wenn nicht, um sie im Fall von Kriegsverbrechen vor einer strafgerichtlichen Verfolgung zu bewahren?
Und Obama? Hat er etwa sein ausdrückliches Wahlversprechen wahr gemacht, Guantanamo zu schließen? Ach was, im Gegenteil: “Ende 2011 hat der Präsident ein Gesetz unterzeichnet, mit dem er den Verteidigungshaushalt für 2012 absegnete. Zugleich verleiht das Gesetz der Regierung die Befugnis, wegen terroristischer Aktivitäten angeklagte US-Bürger und Ausländer zeitlich unbegrenzt zu inhaftieren [...] Die gezielte Tötung von Nicht-US-Bürgern hat Obama zudem mit dem vermehrten Einsatz von Drohnen in Pakistan, Jemen und Somalia drastisch ausgeweitet.” (Le Monde diplomatique, Okt. 2012)
In einem Pentagon-Papier für den US-Kongreß vom April dieses Jahres heißt es:
“Unmanned Aircraft Systems have become a critical component of military operations.” Anschließend zählt der Bericht insgesamt 6316 bereits einsatzbereite größere oder kleine unbemannte Flugkörper auf und gibt an, das US-Verteidigungsministerium wolle ihren Bestand in den kommenden fünf Jahren auf fast 8400 erhöhen. Inzwischen bildet die US Air Force mehr Drohnen- als Kampfjetpiloten aus.
Interessante Fußnote: Gerade unter den Tausende Kilometer vom Kampfgebiet entfernt in sicheren Bunkern sitzenden Fernsteuerpiloten der Drohnen soll es prozentual den größten Anteil von “posttraumatischen Belastungsstörungen” in der US-Armee geben. Und weiter: “Die USA haben mehr als 2.000 tote Soldaten am Hindukusch zu beklagen, die Hälfte starb während Obamas Amtszeit. Hinzu kommen die körperlich und seelisch Schwerstverletzten. Wie sehr dieser Krieg an die Substanz der Streitkräfte geht, ist daran abzulesen, dass jährlich mittlerweile mehr US-Soldaten bzw. Veteranen von eigener Hand sterben, als im Kampfeinsatz.” (Streitkräfte & Strategien, 3.11.12)
Eine weitere neue Entwicklung belegt ebenfalls das Scheitern der us-geführten westlichen Allianz in Afghanistan: immer mehr ISAF-Soldaten werden von den von ihnen selbst ausgebildeten vermeintlichen Verbündeten in der afghanischen Armee und Polizei erschossen.


Auf einem anderen Schauplatz ist nicht auszuschließen, daß es im kommenden Jahr zu dem längst angedrohten Überfall Israels (und der USA) auf Iran kommen könnte. Als Israels Regierungschef Netanjahu im März Washington besuchte, um die USA zur Unterstützung eines israelischen Erstschlags gegen das iranische Atomprogramm zu drängen, hat Obama auf der Jahrestagung des American Israel Public Affairs Committee ausdrücklich erklärt: “Die Führung Irans sollte wissen, dass ich keine Politik der Eindämmung verfolge, sondern dass meine Politik darin besteht, Iran daran zu hindern, in den Besitz von Kernwaffen zu gelangen. Und ich habe während meiner Präsidentschaft immer wieder deutlich gemacht: Ich werde nicht zögern auch Gewalt anzuwenden, wenn es notwendig ist, die USA und ihre Interessen zu verteidigen.”
(zit. nach Streitkräfte & Strategien vom 24.3.12)
Weiter wurde in der Sendung berichtet: “Nach Medienberichten sind die USA inzwischen bereit, Israel die für einen effektiven Angriff benötigten modernsten bunkerbrechenden Bomben und Tankflugzeuge zu liefern. Sozusagen als Gegenleistung für die israelische Bereitschaft, einen möglichen Angriff auf den Iran auf das kommende Jahr zu verschieben [...] sollte es nicht zu der von Washington gewünschten diplomatischen Lösung kommen, dann könnte im kommenden Jahr womöglich Israel zuschlagen – diesmal mit Rückendeckung und aktiver Unterstützung der USA sowie mit modernster Waffentechnologie. Israel verfügt nun quasi über einen Blanko-Scheck der USA. Die Schwelle für eine kriegerische Auseinandersetzung ist gesunken.”


Und in D’land sollen wir nächstes Jahr die Wahl zwischen der eiskalten Hundeschnauze Steinbrück und der Eisernen Mutti Merkel haben, die durchaus bereit zu sein scheint, die Bundeswehr nach Mali und damit in ein zweites Afghanistan zu schicken, um dafür Monsieur Hollande zu mehr Nachgiebigkeit in Euro-Fragen geneigt zu machen. Da kann man sich doch fast nur wünschen, daß dieses Europa auseinanderbrechen möge, bevor ein solches “Weiter so!” noch fortbesteht.
“Man kann überhaupt nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte”, pflegte ein alter Bekannter schon vor langer Zeit zu sagen, und er hätte heute noch immer recht. Man möchte, wann immer es geht, nur noch den Fluß hinauf und in die Wälder.

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Sonntag, 4. November 2012
Der Kahn


Der Kahn legt ab
Aus dem Dunkel unten quirlt gelblich leuchtendes Wasser herauf
Stell dir ein Fahrzeug vor,
das auf Luft schwimmen kann
wie ein Schiff auf Wasser.
Für seine Besatzung sind wir
Tiefluftungeheuer.

Detail:

"Framtiden"

Der Kahn trägt den Namen Framtiden, "Die Zukunft"

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Donnerstag, 1. November 2012
Borgå

Alte Speicher am Borgå

Borgå, idyllische kleine Stadt an Fluß und Küste, die früher ein so wichtiger Ort für Finnland war. Im Mittelalter drangen hier die schwedischen “Kreuzfahrer” ins Land ein, die die heidnischen Finnen und Samen christianisieren, vor allem aber kolonisieren und brandschatzen wollten, und später gingen von hier alle erjagten Pelze aus dem Binnenland über die Ostsee nach Tallinn (damals Reval) und damit in das große Ostseehandelsnetz der Hanse ein.
Borgå wurde eine so bedeutende Handelsstadt, daß sie von dänischen Piraten überfallen und von russischen Marodeuren mehrfach niedergebrannt wurde.
Nachdem 1710 Wiborg verloren war, wurde Borgå Bischofssitz mit angeschlossenem Gymnasium und der ersten öffentlichen Bibliothek des Landes, und nach der Annexion Finnlands berief Zar Alexander I. 1809 einen Landtag der Stände nach Borgå ein und legte in der Domkirche aus dem 15. Jahrhundert seinen Eid auf die Wahrung der schwedischen Gesetze, Sprache, Konfession und Stände in einem autonomen Großfürstentum Finnland ab. – Es war das erste Mal im Leben des Zaren, daß ihm Bauern aufrecht gegenüberstanden und nicht mit dem Gesicht zu Boden vor ihm auf den Knien lagen. Und anders als seinen russischen Leibeigenen gestand der Zar seinen neuen finnischen Untertanen auch aus bäuerlichem Stand den aufrechten Gang zu.
Den Zaren mit Namen Alexander bewahrt die Stadt bis heute ein dankbares Angedenken.

Borgå, Neubausiedlung

Im Auftrag von Nikolaus I. entwarf Carl Ludwig Engel, der auch das Stadtzentrum von Helsinki schuf, den Plan zu einem gänzlich neuen, großzügigen Stadtteil Borgås, der Empirestadt.

Eines der stattlichsten Holzhäuser dort bezog der finnische Nationaldichter Johan Ludvig Runeberg, als er 1837 den Posten eines Lateinlehrers am Gymnasium übernahm. Nach einem frühen Schlaganfall mit Ende fünfzig lebte er noch vierzehn Jahre gelähmt in diesem Haus, das sein Sohn mit allem Inventar der Stadt als Museum stiftete. Zuerst hatte Runeberg serbische Volkslieder ins Schwedische übersetzt, bevor er sich 1848 daran machte, mit “Fähnrich Stahls Erzählungen” ein sehr volkstümliches finnisches Nationalepos aus 35 Balladen und Geschichten zu schreiben. Heute ist das nationale Pathos darin völlig ungenießbar.
“Warum durfte ich nicht fallen, als so mancher Held fiel
als die mutige finnische Armee ihre hohen Stunden hielt...”

in der Altstadt von Borgå

Schwamm über Runebergs Dichtungen! Heute hat die finnische Literatur weitaus Besseres zu bieten und zwei Weltkriege später auch einen sehr viel nüchterneren Blick auf die Auswirkungen von Krieg auf die finnische Seele:

“Für Birgitta war Raunio mit Sicherheit ein typischer finnischer Mann mittleren Alters, von der Wirtschaftskrise gebeutelt und auf emotionaler Ebene nicht fähig, innere und äußere Konflikte auszuhalten [...] Raunio hatte sein Dasein durch die Arbeit und den sozialen Erfolg legitimiert. Die damit verbundenen Anforderungen hatten in ihm die Freude und das Spielerische getötet, weil das etwas für Kinder war. Er repräsentierte den Persönlichkeitstyp, der den finnischen Bürgerkrieg zum blutigsten in ganz Europa gemacht hatte. Wahrscheinlich würde Raunio noch vor seinem sechzigsten Geburtstag an einem Herzinfarkt sterben.”

(Juha Seppälä: Leitern, übersetzt von Stefan Moster, die horen, 232)

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Sonntag, 28. Oktober 2012
In den Schären von Uusimaa/Nyland

In unseren Breiten wird der Oktober oft sogar zutreffend Goldener Oktober genannt. Im Finnischen bedeutet lokakuu gar nicht immer zutreffend “Drecksmonat”. Schön herbstlich kann es im lokakuu durchaus noch sein, aber auch schon ganz schön kalt, und darum mußte dringend abgesegelt werden. Die meisten Boote holt man vor dem Frost aus dem Wasser.

“Finnland hat nicht mehr als drei attraktive Landschaften”, sagte dieser Tage der Schriftsteller Johan Bargum zu mir, “aber diese drei sind auch richtig schön: einige Teile der Seenlandschaft natürlich, Lappland und – am unbekanntesten und am schönsten – die Schären vor der Südküste.”

Johan und ich trafen uns im Bootshafen von Björkholmen auf der Insel Lauttasaari westlich von Helsinki, denn er ist noch immer begeisterter Segler und Mitglied im Nyländska Jaktklubben, NJK. Obwohl in Finnland, hält man im traditionsreichen Klub nach wie vor an Schwedisch als Vereinssprache fest, denn der NJK ist der älteste in Finnland zugelassene Segelverein. 1861, als die Oberklasse in Finnland noch durchweg Schwedisch sprach, bestätigte Zar Alexander II. seine Statuten. Ihr §2 lautet bis heute: “Die Sprache des Klubs ist Schwedisch.” Und wer Mitglied werden will, muß Schwedisch zumindest mündlich beherrschen. Dabei macht die schwedischsprachige Minderheit im Land heute noch knapp sechs Prozent der Bevölkerung aus. Ein bißchen elitär ist der Verein also durchaus, doch andererseits ist Schwedisch für jeden finnischen Schüler noch obligatorische Fremdsprache, das ganze Land offiziell (d.h. theoretisch) zweisprachig.

Der letzte Törn des Jahres ging von Björkholmen um Helsinki und die Festungsinsel Suomenlinna herum die Schärenküste entlang nach Osten bis Porvoo/Borgå, der nach Turku/Åbo zweitältesten Stadt des Landes. Letztes Jahr hat Bargum ein Buch über genau diese Segeltour geschrieben, Seglats i september:

vor Suomenlinna

“In Lee unter Bastuhamn refften wir das Großsegel und kreuzten hinaus nach Äggskärsfjärden, wo die See immer kabbelig und seltsam unberechenbar ist. Gleich hinter Äggskär riß das Großsegel mit einem Knall, vielleicht hatte ich die Reffbändsel zu straff gespannt. Es blieb nichts anderes übrig, als mit dem Motor gegen Wind und Wellen zu fahren, die immer höher und ungemütlicher wurden. Für die elf Seemeilen bis Kajholmen brauchten wir drei Stunden...”

Der Borgå-Fluß strömte dagegen bei der Ankunft ganz gemächlich ins Meer, wie sich das für sein Alter gehört. Auf der Anhöhe an seinem östlichen Ufer legten schon schwedische Wikinger eine Befestigung mit Wall und Graben an, die den Handelsweg entlang der Küste und den Fluß hinauf landeinwärts sicherte.


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Freitag, 26. Oktober 2012
Neu auf Kamppi

Kamppi kappelli

Ach was, einer geht noch; und zwar der jüngste Streich finnischer Architekten. Das hier:

Nein, es ist keine überdimensionierte Hutschachtel, obwohl seine Außenhaut tatsächlich nur aus rötlich gebeiztem Fichtenspanholz besteht. Ebenso wenig dürfte diese selbst in Helsinki nicht ganz alltägliche Kopfbedeckung als Modell gedient haben.

Für das Designhauptstadt-Programm errichtete das Architektenbüro K2S (Kimmo Lintula, Niko Sirola, Mikko Summanen) ausgerechnet auf dem belebtesten Platz von ganz Helsinki (direkt über dem zentralen Busbahnhof) eine “Kapelle der Stille”: Kampin kappeli. Eingeweiht in diesem Sommer.

Kamppi kappelli Kamppi kappelli

Nicht nur die völlig fensterlose Außenhaut ist aus Holz, auch die Innenauskleidung besteht aus exakt formgefrästen Schwarzerlenbohlen, die den gänzlich nackten ovalen Kirchenraum im Inneren sich mit schrägen Wänden nach oben öffnen lassen wie einen Kelch, der zu dem indirekt von oben einströmenden Licht strebt. Das waagerecht geschichtete und verleimte Holz schafft ein Gegengewicht zu diesem Emporstreben und verleiht dem nur 300m² großen, aber 11,5m hohen Raum zusammen mit den zurückweichenden Wänden eine enorme Weite.
Nichts trübt die Wirkung dieses Raums.
Die Ausstattung, Kirchenbänke und Altar, sind formal aufs Äußerste reduziert: kantige, glatte Kuben aus massiver Esche. Sonst nichts. Glatt gehobelt, darüber hinaus wirkt alles Holz im Raum geradezu unbehandelt, und genau darum geht es: keine Zutaten, kein Zierrat, keine Verfeinerung, gerade dadurch höchste Verfeinerung in der Wirkung. Das Material Holz so präsent, daß man es unentwegt anfassen, darüber streichen will, und doch so hell, vielfältig schattiert und zurücktretend, als wäre kaum eine Wand da, sondern nur etwas, das sich nach oben zum Licht öffnet. Mitten in der Stadt ein wunderbarer Raum der Sammlung, der Kontemplation, der Besinnung aufs Wesentliche und der Stille.

Kamppi kappelli

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Montag, 22. Oktober 2012
Stop(De)sign
Alvar Aalto

Ein bißchen Anschauungsmaterial zu Design aus dem Finnland der 1950er Jahre möchte ich hier gern noch zur Ansicht stellen, wie die nebenstehende Lampe von Alvar Aalto, die in verschiedenen Ausführungen die Finnlandia-Halle innen und außen erleuchtet. Bestechend schön ist auch die von allem Überflüssigen befreite Serie von Wassergläsern: Kartio, die Kaj Franck 1958 für iitala entwarf. Eine Modeaufnahme aus etwa der gleichen Zeit.

"Kartio", Kaj Franck

Unter dem Eindruck all der ästhetisch gestalteten Dinge auch in der Alltagskultur beginnt man sich irgendwann zu fragen, was denn eigentlich nicht Design sei im blonden Finnland.

Dann wird es langsam Zeit, den inzwischen designfixierten Blick auch einmal wieder aufzugeben.


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