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Sonntag, 9. September 2012
Terve!

Gut gelandet.

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Freitag, 7. September 2012
Regressive Utopie
Man stelle sich vor, auf der Welt gäbe es nur Handys, Computer, Fernseher und andere elektronische Endgeräte.



Dann würde jemand das Papier erfinden und kurz darauf entdecken, dass man auf Papier Wörter und Bilder drucken kann. Die Zeitung würde entwickelt werden... Das Buch würde erfunden werden.
Was für eine Innovation! Was für eine Blätterfreundlichkeit, Ergonomie, gegenständliche Eleganz, welche Wärme des Materials! Und alles wiederverwertbar... Das Warten beim Laden von Internetseiten bliebe einem erspart. Im Gegensatz zum hektischen Online-Status folgte die einmal am Tag erscheinende Zeitung dem natürlichen, auf der Drehung der Erde um ihre Achse basierenden Rhythmus des Homo sapiens.
Auf einmal hätte die Information eine gegenständliche Gestalt, ein konkretes Gewicht, das man hören könnte, wenn die Zeitung in den Briefkasten kollert...
Man kann eine Zeitung in Teile zerlegen und auch vernichten. Es gibt zahlreiche Parallelverwendungsmöglichkeiten für sie, aber wie willst du eine Brasse von zwei Kilo in ein Internetportal einwickeln? ... Wenn der Computer abstürzt, hängt man in der Telefonschlange des Helpdesks. Wenn ein Buch abstürzt, hebt man es auf und liest weiter.

(Hannu Raittila: Gewicht und Gewichtlosigkeit, in: die horen, 232, Übersetzg. Stefan Moster)

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Donnerstag, 6. September 2012
Vermauert, vernietet und vernagelt
In den Niederlanden wird nächste Woche gewählt. Ein sehr lesenswerter Artikel zum derzeitigen geistig-politischen Klima im Land, von einem Niederländer geschrieben, heute in der NZZ




Zitat: "Holländer: wooden shoes, wooden heads, wooden manners. Ein geflügeltes Wort bei uns zu Hause."

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Donnerstag, 6. September 2012
"Eine Bank lenkt die Welt"
Nach so viel Spitzwegerei im vergangenen Monat heute endlich einmal ein relevanterer Aufruf:
Wer es gestern verpaßt hat, auf arte die Dokumentation über Stellung und Bedeutung von Goldman-Sachs zu sehen, sollte das möglichst nachholen, so lange der Film noch auf arte+7 zu sehen ist.

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Sonntag, 2. September 2012
Vivan las antipodas!
Es leben die Antipoden!” – Ja, aber zunächst ging es nun doch um/in den gleichnamigen Film, eine kommentarlose Dokumentation, aber sehr schöne Bilder von ∞, nein 8 Punkten der Erde und eine einhellige Aussage.




Da zwei Drittel der Erdoberfläche von Ozeanen bedeckt sind, gibt es gar nicht so viele direkte Antipoden, wie man denkt. Wenn z.B. hier im Haag oder auch in Hamburg Tunnel gebohrt würden, kämen sie beide südöstlich von Neuseeland östlich der Datumsgrenze mitten im Südpazifik heraus. Big Island von Hawaii mit seinen ununterbrochen quellenden Lavaströmen und das Dorf Kubu in Botswana aber sind antipodisch liegende Orte, die flechtenüberzogenen Felsen über Miraflores de la Sierra nördlich von Madrid und der weite Strand von Castle Point an der Südspitze von Neuseelands Nordinsel, das chilenische Patagonien um die atemberaubenden Torres del Paine und die Traumlandschaft um den Baikalsee. Im Überschwemmungsgebiet Entre Rios von argentinisch Patagonien leben zwei Brüder in dritter Generation als Fährleute, sie behaupten von sich selbst, daß ein streunender Hund, der bei Vorbeifahrenden auf die Ladefläche des Pickup springt, schon mehr von der Welt gesehen habe als sie in ihrem ganzen Leben. Sie haben den ihnen vorgegebenen Ort auf der Erde nie verlassen, geschweige denn in Frage gestellt. Sie sind Philosophen der Ameisen und der Frösche, der einzigen Wesen, die sie über Tage hinweg zu Gesicht bekommen. Unsterbliche Sätze: “Die Kröten spielen heute abend nicht Gitarre.” “Ich bin wie eine Waschmaschine. Jede Frau kann mich bedienen.” Und direkt unter den Füßen dieser beiden einsamen Weisen treten sich achtzehn oder zwanzig Millionen Chinesen im dichtgepackten Shanghai auf die Füße, der Atem, den sie und die Stadt ausstoßen, verdunkelt jeden Tag die Sonne. Sie quellen aus den Fabriktoren und Fähren und durch die engen Straßenschluchten wie die zähflüssige Lava auf Hawaii, ebenso alles unter sich begrabend.
Die Welt ist da schön, wo der Mensch noch in der Unterzahl ist. Und wo noch solche Mengenverhältnisse vorherrschen, liegen von hier aus die Antipoden.

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Samstag, 1. September 2012
SS "Aglaope"



Heute zum Hafen geradelt, bißchen Fisch holen fürs Wochenende. Ist sonst eher unromantisch nüchtern dieser kleine Fischereihafen in Scheveningen, heute lag da aber wieder so ein geflügeltes Wasserwesen und setzte gerade Segel... Lockte wie eine Sirene. Mußte mich an den Pfahl einer Hafenlaterne binden. – Jetzt habe ich doch wirklich den ganzen August hier ausgesessen, da wird es langsam wieder Zeit, die Anker zu lichten.

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Montag, 27. August 2012
Musik, die Sommer macht
Sieht so aus, als ob mit dem August auch der Sommer gehen will. Draußen hat der Teufel Kirmes; der Himmel weist alles auf, weiße Wolken, helle und dunkelgraue Wolken, Wind und blaue Löcher, und gleichzeitig prasselt ein Regenschauer selbst gegen das nach Westen, zum Meer gerichtete, aber zurückliegende Fenster meines Arbeitszimmers. Drinnen lasse ich noch einmal Sommer durch alle offenstehenden Zimmer schweben, die Sonne wirft helle, tanzende Flecken aufs Parkett – noch einmal das Barfußlaufen auf warmem Holz genießen – darüber schwingen die Gitarrensaiten von Canizares und vor allem noch einmal Baden Powell, dem Altmeister. Wenn er spielt, ist für mich Sommer, beides in der Erinnerung fest miteinander verbunden, seit ich als Abiturient mein Feriengeld im Burghof verdient habe.
Jeden sonnenheißen Nachmittag fuhr ich mit dem Rad durch Kalkumer Wald und die wogenden Kornfelder zwischen Angermund und Wittlaer nach Kaiserswerth. Wenn ich ankam, um Gläser vorzuspülen, das erste Faß anzuschlagen, hatte Rainer, der Besitzer, der damals noch im Giebel des kleinen Gartenhauses wohnte, stets eine Platte von Baden Powell aufgelegt. Der Laden war noch geschlossen, außer ihm und mir und seiner Riesendogge niemand in den weiten Räumen mit den dunklen, alten Eichenholzdielen, und obwohl ich damals natürlich ganz andere Musik hörte, wurde die so leicht durch die lange Galerie in den Garten zum Rhein schwingende und perlende Gitarrenmusik für mich zum Inbegriff dieses schönen, letzten Sommers am Ende der Schulzeit.
Ich habe Baden Powell lange nicht gehört, vor kurzem erst ist er mir wieder in die Hände (und Gehörgänge) gefallen, und sofort waren diese stillen Sommernachmittage wieder da, die nach der Schicht meistens erst spät in der lauen, mondhellen Nacht mit einem Bad im nahen Baggerloch endeten.




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