Am späten Nachmittag, als die größte Hitze allmählich nachließ, breitete sich die silberfingrige Poesie der Spinifexgräser über die Savanne, und es fuhr sich wie durch eine von Mondlicht beschienene Landschaft.

To enter that country is to be choked with dust, suffocated by waves of thrumming heat, and driven to distraction by the ubiquitous Australian fly; it is to be amazed by space and humbled by the most ancient, bony, awesome landscape on the face of the earth. It is to discover the continent's mythological crucible, the great outback, the never-never, that decrepit desert land of infinite blue air and limitless power."
(Robyn Davidson: Tracks)
Dann sank die Sonne noch tiefer, und die Erde wurde wieder rot, bis sie in dunkle Schatten sank. Und dann erhob es sich aus dem Dämmerdunkel auf einmal vor uns wie eine steinerne Welle, wie eine rotglühende Magmawalze, das “Ding”, Uluru, The Rock

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Die so sternklare Nacht wird frisch, 12̊ zeigt das Thermometer, aber die Morgenkühle bis kurz nach Sonnenaufgang ist herrlich erquickend. Frühvogel ist die wie eine Elster gefärbte australische Lerche Magpie-Lark (Grallina cyanoleuca). Darauf folgen die Mynas, und bald zetern auch die ersten Schwärme von Wellensittichen durch die Luft und fallen in die Baumwipfel ein.
Glen Helen ist eine von sechs Stellen, an denen der Larapinta/Finke River (hier am Fuß einer steilen Felswand) immer Wasser führt. Daher schwimmen hier alle neun im Fluß vorkommenden Fischarten, die Ureinwohner nutzten den Ort seit unvordenklichen Zeiten als Versammlungsplatz und verbinden zahlreiche Legenden und mythische Geschichten mit ihm. Für sie ist die Schlucht mit dem Wasserloch ein Ort, wo die Regenbogenschlange “Moon man”, den Mond, aus dem Wasser steigen sah und ihm über die Felswand auswich, wo man ihren Abdruck heute noch sehen kann. Eine hochgiftige Todesotter (Acanthophis pyrrhus) soll nach Glauben der Aborigenes Hüterin der Wasserstelle sein (weshalb man auch nie einen Schwarzen dort baden sieht). Gut ein Jahrzehnt nachdem John McDouall Stuart den Ort 1860 als erster Weißer besucht hatte, begann der Farmer Alexander Grant die Gegend als Weideland zu nutzen, und er gab ihr den Namen seiner Nichte. In den 1880er Jahren ließ sich ein erster Siedler in Glen Helen nieder; bald wurde es eine wichtige Raststätte für Reisende im Outback. 1977 begann Robyn Davidson hier in Glen Helen ihren Marsch mit Kamelen zur Küste.
“I grabbed the nose-line with cold sweaty shaky hands, and walked up over the hill.
All around me was magnificence. Light, power, space and sun. And I was walking into it. I was going to let it make me or break me. I felt like dancing and calling to the great spirit. Mountains pulled and pushed, wind roared down chasms. I followed eagles suspended from cloud horizons. I wanted to fly in the unlimited blue of the morning.”

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Das wollte ich niemandem vorenthalten.
Mir gefällt besonders Spir, dem sogar das sonst eher kritische belgische Musikmagazin kwadratuur bescheinigt: "catchy zonder goedkoop te worden".
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Immer noch bekommt man hier und da zu lesen, der fünfte Kontinent sei der jüngste von allen. Das (kaum wirklich vorstellbar) hohe Alter des Finke Rivers zeigt aber schon, wie verfehlt solche Äußerungen sind. Im Gegenteil gehört der kontinentale Kern Australiens zu den ältesten Gesteinsschichten auf der Oberfläche der Erde. Der allgegenwärtige rote Sand ist nichts anderes als der Rest von im Lauf der Jahrmillionen zu Staub zermahlener Gebirge.

Lange war man der Meinung, die ältesten auffindbaren Gesteine der Erde lägen im Gebiet um die Hudson Bay in Kanada. Der Kanadische Schild enthält mehrere Kerne von ehemaligen Urkontinenten (Kratone), die viel älter sind als die heutigen Kontinentalschollen und seit der Erdfrühzeit, dem Präkambrium, keine Umformungen mehr erfahren haben. In Québec hat man metamorph umgewandelten Basalt, sogenannten Amphibolit, gefunden, der bis zu 4,28 Milliarden Jahre alt ist. Da fehlen nur noch schlappe 280 Millionen Jahre bis zur angenommenen Entstehung der Erde vor 4,56 Milliarden Jahren.
Und doch sind die Amphibolite aus dem Nuvvuagittuq-Grünsteingürtel heute nicht mehr die ältesten bekannten Gesteine. Im Januar 2001 meldete die Zeitschrift Nature, von Geologen seien detritische Zirkone gefunden worden, die 4,404 Milliarden alt seien. Und wo wurden sie gefunden? In Westaustralien. Die Jack Hills sind nichts anderes als durch Erosion jüngerer Erdschichten (hier Gneis und Granit) wieder freigelegtes Kraton-Urgestein aus präkambrischen Zeiten.
“The hills are within the Narryer Gneiss Terrane of the Yilgarn Craton and are composed of metamorphosed basalts, ultramafic rocks (igneous rocks that contain low amounts of quartz and feldspars), cherts, banded iron formation and rocks that are composed of weathered material sourced from older rocks known as clastic meta-sediments. Within these metamorphosed sediments, geologists have found crystals of the mineral zircon that are older than any other known material on Earth.”
(Dieses und die folgenden engl. Zitate sind einer Veröffentlichung des australischen Umweltministeriums entnommen)
Zirkon ist ein ziemlich häufiges Mineral von so großer Härte, daß es manchmal Diamanten ersetzt und größere Stücke als Edelsteine gehandelt werden. Durch seine Uranisotope trägt es zur natürlichen Radioaktivität bei, außerdem erlauben sie durch ihre bekannten Verfallszeiten sehr genaue Datierungen. Zirkone selbst aber sind “gegenüber geologischen Einflüssen wie Verwitterung und selbst hochgradiger Gesteinsmetamorphose äußerst resistent und können solche Ereignisse in ihrer Isotopenzusammensetzung ‘speichern’“ (Wikipedia).
“Zircon is unique in that it is one of the only minerals that over a long period of time, can preserve chemical information that indicates what conditions were like when the crystals were originally formed.”
Nun haben aber die Zirkone von Jack Hill aus der Formationszeit der Erde, dem Hadaikum, nicht allein Urannuklide eingelagert, sondern auch bestimmte Sauerstoffisotope, die nur in Anwesenheit von Wasser entstehen.
“The chemical analysis of the Jack Hills zircon crystals has indicated that the Earth had surface water and a hydrosphere much earlier than previously thought. Oxygen isotopes found within zircon crystals are a sensitive, temperature-dependant indicator of liquid and solid interactions in the Earth's crust. Zircon crystals with high oxygen 18 to oxygen 16 isotope ratios such as some of those found at Jack Hills, can only be formed if crustal material interact with surface or near surface water at low temperatures. That the zircon crystals formed within a continental (surface) crust implies that the Earth had at least a partially stabilised terrestrial surface at this early stage of its development... Previous to the discovery of the age and geochemical properties of the ancient Jack Hills zircons, it was generally thought it would not have been possible for the Earth to have a terrestrial surface during the early stages of its development due to the constant bombardment of the earth by meteoritic material in the solar system.
The discovery that stable, low temperature conditions may have existed for periods of time at such an early stage in the Earth's development also has wider implications for the study of early life. As low temperatures and the presence of liquid water are the requirements for life, the discovery of both in the geochemistry of the Jack Hills zircon crystal has led scientists to suggest the possibility of life occurring on Earth at least 400 my earlier than was previously thought possible.”
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? Ob das hier jetzt auch der Finke ist? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Andererseits, viele Flüsse wird es in der wüsten Gegend hier nicht geben, und hinter dem nächsten Höhenrücken führt er auf einmal sehr viel mehr Wasser.

Das ist doch für hiesige Verhältnisse ein veritabler Fluss. Kann ja eigentlich nur der Finke sein. Egal, sieht jedenfalls einladend aus.
“Fahr doch mal links ran! Guck mal, da hinten unter den Eukalyptusbäumen am Ufer, das ist doch ein idealer Platz für ein Picknick.”
“Stimmt.”

Wenig später stehen die Faltstühle im lichten Halbschatten unter den Bäumen, ein Messer schneidet durch das saftige Fleisch einer mitgebrachten Melone. Herrlich, in dieser zikadenschrillenden Hitze in die safttriefende rote Frucht zu beißen. Die trockenen Eukalyptusblätter rascheln (und duften!), der Wind zaust den hellen Bäumen ein wenig das schüttere Laub, und noch ein Geräusch klingt irgendwie bekannt. Der Blick sucht die Bäume ab ... das sind doch ... richtig.

Und der ist nur der Vorbote, bald fällt ein ganzer Schwarm Zeter und Mordio schwatzend in das Wäldchen ein. Dabei wirken sie sehr viel zufriedener als die armen entflogenen Exemplare, die sich bei uns in jedem Winter durch die Stadtparks frieren.
“Schön hier.”
“Ja, sehr.”

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Well, mates, this is it.
Sieht nicht sehr eindrucksvoll aus? Nun ja, es ist einer der ältesten Flußläufe auf der Welt, der Larapinta oder Finke River in Zentralaustralien. Wie das Schild neben der Brücke verkündet, fließt Wasser hier seit vielleicht 350 Millionen Jahren in annähernd demselben Bett.
Dieser Flußlauf bildete sich also bereits im Erdaltertum, genauer in seiner fünften geochronologischen Periode, dem Karbon. In dieser Epoche stießen die beiden Urkontinente Laurussia und Gondwana zusammen und falteten in der Kollisionszone neue Hochgebirge auf, deren Reste im heutigen Nordamerika und Mitteleuropa zu sehen sind (daher der Name Variszische Orogenese). Ihre vergleichsweise schnelle Erosion bedeckte die ausgedehnten Wälder an ihren Füßen mit Sedimenten, die ausgedehnte Wasserflächen zunächst in Sümpfe verwandelten, auf deren Grund sich, wie im Ruhrgebiet, die Kohlenflöze bildeten, denen dieses Zeitalter seinen Namen verdankt. Über den Sümpfen schwirrten große Insekten, die dank eines erhöhten Sauerstoffgehalts von 35% in der Erdatmosphäre Riesenformen wie die Libelle Meganeura mit einer Flügelspannweite von bis zu 70 Zentimetern entwickelten. Auf festem Boden krochen Amphibien und frühe Reptilien als erste Landwirbeltiere vor allem zwischen Riesenfarnen, Schuppenbäumen und 20 Meter hohen Schachtelhalmen herum. Nadelbäume und Blütenpflanzen existierten noch nicht. Die Riesenkräfte, mit denen sich die beiden Urkontinente ineinanderschoben, wirkten wie tektonische Wellen bis weit in ihr Hinterland hinein. Auch in den tiefer gelegenen Beckenlandschaften am Nordostkap Gondwanas kam es in der sogenannten Alice Springs Orogenese zu Geländeauffaltungen, deren Reste die heutigen Macdonnel Ranges darstellen. Das Klima schwankte im Karbon beträchtlich, und mindestens einmal bedeckte eine Kaltzeit mehr als die Hälfte Gondwanas mit Eis. Die Gletscher trugen Teile der neuen Gebirge wieder ab, und als sich das Eis zurückzog, gruben sich die Schmelzwassermengen ihren Weg durch die Berge. Seit dieser Zeit gibt es den Flußlauf des heutigen Larapinta oder Finke River, der somit älter ist als Australien selbst, das erst Millionen Jahre später im Perm als eigener Kontinent von Gondwana abriß.
Wenn ich mir das ehrwürdige Alter des Flusses da unter der Brücke vor Augen halte - was sind dagegen schon die maximal 35 Millionen Jahre, die der "alte Vater Rhein in seinem Bett gesehen" hat? - ja, dann erfüllt mich das mit einer gewissen Ehrfurcht, muß ich sagen, auch wenn der Fluß die Berge, durch die er sich einst fraß, längst abgetragen hat und jetzt ziemlich flach und langsam durch die sandige Ebene fließt, ehe er 600 Kilometer weiter südlich irgendwo in der Wüste versickert. In Dürrejahren trocknet er schon weit vorher zu einer Kette unverbundener Wasserlöcher aus. In sehr regenreichen Zeiten schafft er es hingegen bis zum Lake Eyre; aber das Meer hat der Finke/Larapinta seit vielen Jahrtausenden nicht mehr gesehen.
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