
Noch einmal zum Film Das weiße Band, der z.T. auf diesem Hof gedreht wurde. Regisseur Michael Haneke, seit Jahrzehnten auf der Suche nach den Wurzeln gesellschaftlicher Unterdrückung und Repression, ist diesmal in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkriegs fündig geworden, schreibt das Wiener Stadtmagazin Falter zu einem Interview mit ihm.
“Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass dieser Gutshof so schwer zu finden sein würde. Ein Ensemble, wo das Haupthaus und die Wirtschaftsgebäude noch intakt sind, aber nicht restauriert – davon gab’s ein einziges. Und das war in einem Zustand, das kann man sich gar nicht vorstellen!”
“Überall, wo es Unterdrückung, Demütigung, Unglück und Leid gibt, ist der Boden bereitet für jede Art von Ideologie. Es geht um ein gesellschaftliches Klima, das den Radikalismus ermöglicht.”
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Ein trauriger und düsterer Ort; verfallende Häuser, Ruinen. Einstmals von den Schack-von Buchwaldts aus altem holsteinischen und mecklenburgischen Adel als Schloß und Herrenhaus eines ausgedehnten Landguts errichtet. Erbaut hat es der deutsch-schwedische Offizier und Hofbaumeister Rudolph Matthias Dallin, der vor allem durch den Bau des Eutiner Schlosses und weiterer barocker Herrenhäuser in Holstein bekannt ist. Es war sein letztes Bauwerk. Im Jahr seiner Fertigstellung 1743 starb Dallin an unbekanntem Ort. Das Schloß blieb nur vierzig Jahre im Besitz der Erbauer, dann kam es in andere Hände. Im Krieg wurde es beschädigt, nach der Enteignung 1945 richteten sich Flüchtlingsfamilien darin ein. Vor zwanzig Jahren wurde es, völlig verwahrlost, an einen überall im Osten aufkaufenden Wohnungsunternehmer, Pferdefreund und Kirchenpatron aus Mölln verscherbelt und rottet seitdem weiter vor sich hin.
Vor drei Jahren war es Drehort für einen Film, der nicht weniger düster ist als die Ruinen von Johannstorf:
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Peter Wawerzinek hingegen ist ein eingeborenes Kind des Landes, kam in Rostock zur Welt, verbrachte in Schliemanns Geburtsort Neubukow Jugendjahre, schrieb über Rerik, Rügen, Hiddensee und Usedom. “Wawerzinek ist ein Küstenmensch”, heißt es in einem Porträt in der Welt, und weiter: “Wenn er Probleme hat und alles satt, packt er seine Sachen und fährt an die Ostsee, wirft Strandgut ins Wasser, gräbt sich für Sandburgen die Hände blutig, schreit das Meer an”.
Und er selbst schreibt in seinem bisher erfolgreichsten Buch Das Kind das ich war von 1994:
“Meine Heimat ist Mecklenburg... Von den Tieren auf dem Wasser habe ich meine Fröhlichkeit. Den Schollen im Wasser verdanke ich meinen Ernst. Die Traurigkeit der Quallen nahm mich bei der Hand... Ich wuchs auf, wo die zukunftsweisenden Zauberworte Melioration und Rinderoffenställe waren.”
Genau danach sieht das Land aus, nach einer vergangenen Zukunft mit der Vision großer Rinderoffenställe; und einen besseren Kommentator Mecklenburger Wirklichkeiten als Wawerzinek habe ich nicht gefunden.
"Mit dem epochemachenden Kampf um den Fortschritt taten sich die Mecklenburger sehr schwer. Was sie als eine Revolution betitelten, war mehr ein gemeinschaftliches Murren in der Schenke gegen die Erhöhung der Schnapspreise.
Tatfreudige Menschen und agile Erscheinungen waren dem Mecklenburger unheimliche Gesellen. Entschlossene Charaktere, die ohne langes Reden zupackten, waren so selten wie stromernde Wölfe.
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Streckenweise über sehr schöne alte Alleen weiter ins mecklenburgische Hinterland. Fast endlos wirkende große Stoppelfelder aus LPG-Zeiten bilden auch einen sichtbaren Unterschied zu den meist kleinteiligeren Äckern im Westen. Neben den langen Kommiß(grau-)brot-Häusern in den Straßendörfern.
"Der richtige Laubenbauer hört niemals auf zu bauen, sondern murkst weiter, schafft sich ein kurioses Ensemble aus lauter wie zufällig entstandenen Anbauten."
(Peter Wawerzinek: Das Kind das ich war)
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Kaum überschritten wir die inzwischen imaginäre Linie, an der am 18. November 1989 um 16 Uhr die hermetische Staatsgrenze zwischen DDR und BRD geöffnet worden war, sah dahinter auch mehr als zwanzig Jahre später vieles noch ganz anders aus. So gab es fortan auf unserem weiteren Weg durch Mecklenburg und Vorpommern fast keinen Laternenpfahl, an dem nicht völlig unbehelligt ein Wahlplakat der Nazis hing. In Grevesmühlen hat die NPD letztes Jahr sogar eine mit Plankenzaun und Wachturm gesicherte Festung namens “Bürgerbüro” errichten können. Schließlich hat sie sechs Mann im Landtag.
(Gerade gab’s darüber einen Artikel im Hamburger Abendblatt.)
Und jetzt wurden sie auch noch wiedergewählt.
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Das Zeitalter der Kreuzzüge lag erst ein paar Jahrhunderte zurück, da wehten in den Straßen deutscher Städte schon die Orientteppiche vor den Fenstern.
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