Von den Resten der Akropolis sehen wir hinab auf den Hauptort der Insel. Für die, die zu viel Regenbogenpresse lesen: Ja, Armanis schwarze Zigmillionenjacht liegt im Hafen, aber das ist völlig unwichtig. Viel interessanter ist der Punkt, auf dem wir stehen, denn hier lagerten bald zweitausend Jahre lang Persönlichkeiten von ganz anderem Format. Genau unter unseren Füßen nämlich hat mein alter Freund Thomas vor einigen Jahren drei wunderbar erhaltene römische Cäsarenbüsten aus einer bereits in der Antike wieder zugeschütteten Zisterne gegraben.
Im 7. oder 6. Jahrhundert v.u.Z. gründeten Phönizier oder Punier hier, nur achtzig Seemeilen von ihrem Heimathafen entfernt, die erste Kolonie Karthagos. Ihren Namen hielten sie in ihrer Konsonantenschrift als YRNM fest; manche lesen das als “Hiranin” und meinen, es würde so viel wie Vogelinsel bedeuten. Bekannter war die Insel in der Antike unter ihrem griechischen Namen Kossyra ("die Kleine"), denn mit ihrer strategisch günstigen Lage genau an der engsten Stelle des Mittelmeers lag sie seit der Bronzezeit im Kreuzungspunkt wichtiger Seehandelsrouten zwischen Afrika und Sizilien, zwischen der östlichen und der Westhälfte des Mittelmeers. Darum haben die Römer sie auch im ersten Punischen Krieg gegen Karthago 255 sofort überfallen und kassiert. 217, im 2. Punischen Krieg, ging sie endgültig in römischen Besitz über.
Seit zehn Jahren gräbt Thomas mit seinen Teams die antike punisch-römische Akropolis aus, die eine Fläche von etwa 200x100 Metern einnimmt. 2003 stießen sie im Schutt einer bereits im 1. Jahrhundert verfüllten Zisterne auf die drei Kaiserbüsten – ein Sensationsfund, von dem so mancher Archäologe sein ganzes Forscherleben vergeblich träumt. “Wer weiß, was wir hier noch so alles zu Tage fördern”, hat Thomas in der damals eigens gedrehten Folge von Terra X im ZDF bloß sibyllinisch grinsend gesagt. (Auch der Focus u.a. berichtete damals ausführlich.)
Mittlerweile sind er und Wissenschaftler aus ganz anderen Disziplinen vor allem an den Zisternen der Punier interessiert. Die sind nämlich inwendig mit einem Putz ausgekleidet, der sie seit zweieinhalbtausend Jahren bis heute dicht und funktionsfähig erhalten hat. Aus welchem Material dieser Putz zusammengesetzt ist und wie er aufgetragen wurde, ist für heutige Bauchemiker eine höchst interessante Frage, denn wer von ihnen kann schon ein Dichtungsmaterial mit einer Haltbarkeit von zweieinhalb Jahrtausenden vorweisen? Und wäre das, wenn seine Zusammensetzung erst analysiert ist, nicht ein unter Gesichtspunkten von Nachhaltigkeit äußerst wertvoller Baustoff?
Ein wesentlicher Bestandteil dieses geheimnisvollen Putzes, erklärt Thomas, kam wahrscheinlich von dort drüben, von diesem Kegelstumpf eines Vulkans gleich gegenüber der Akropolis. Denn natürlich haben die Bauleute damals Material verarbeitet, das sie an Ort und Stelle vorfanden. Wer hätte schließlich auf den Gedanken kommen sollen, für gewöhnlichen Putz und Mörtel auf eine ohnehin steinige Insel eigens Sand (oder Asche) über See zu importieren?

Wir erwischen die Archäologen bei der
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Man wundert sich wie Hermes, der rüstige Argosbesieger, als er auf goldnen ambrosischen Sohlen nach Ogygia kam, zur weiten, gewölbeten Grotte der Nymphe Kalypso.
Vor ihr brannt auf dem Herd ein großes Feuer, und fernhin
wallte der liebliche Duft vom brennenden Holze der Zeder
und des Zitronenbaums.
Rings um die Grotte wuchs ein Hain voll grünender Bäume,
Pappelweiden und Erlen und düftereicher Zypressen.
Um die gewölbete Grotte des Felsens breitet’ ein Weinstock
seine schattenden Ranken, behängt mit purpurnen Trauben.



Voll Verwunderung stand der rüstige Argosbesieger;
und nachdem er alles in seinem Herzen bewundert,
ging er eilends hinein in die schöngewölbete Grotte.
Ihn erkannte sogleich die hehre Göttin Kalypso.
In eins der purpurbeschatteten Häuser werden wir hineingebeten. Anna Maria ist auf keinen Fall Kalypso, und zusammen mit ihrem Andrea gibt sie Philemon & Baucis auch nur im Hinblick auf die Gastfreundschaft, doch gastfreundlich sind sie beide sehr.

Während er uns stolz durch seinen Weinberg und seine Olivenhaine führt, bereitet sie uns aus allem, was der Garten hergibt und ihre Söhne aus dem Meer gezogen haben, eine köstliche Pasta. Sie schmeckt sogar der Pastaverächterin an meiner Seite. Zumindest läßt sie sich vorerst nichts anderes anmerken. Aber bei der gegrillten Muräne danach und vor allem beim abschließenden Obst schlägt sie dann doch deutlich genußvoller zu.


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Am nächsten Morgen steigen wir weiter landeinwärts die steinigen Hänge hinauf und finden bald künstlich angelegte Terrassenfelder mit Oliven, Kapern und Feigen. Oberhalb davon sogar Wald, Kiefern und Steineichen. Nach der überaus kahlen Schulter, die die Insel der See zeigt, sind wir überrascht.
Die Opuntien an den Feldrändern voll saftiger Früchte, Granatapfelbäume, und alte Rebstöcke schwer von herrlichen Zibibbotrauben. Auch Pflaumenbäume hängen schon voll mit reifen Früchten.

Vor der Passhöhe ein einsames Bauernhaus, verlassen.


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Wir schleichen uns zunächst unbemerkt vorbei. Ein Stück landeinwärts stoßen wir auf weitere Behausungen, keine reinen Höhlen diesmal, sondern aus grob behauenen Lavabrocken aufgeschichtete Tumuli. Die hellgrünen Flechten, die sie überziehen, verraten, daß sie vor Urzeiten erbaut worden sein müssen. In der Steinzeit, von den ersten Entdeckern der Insel, die hier Obsidian fanden und mit dem kostbaren Stein, aus dem sich rasiermesserscharfe Werkzeuge herstellen lassen, drüben auf dem afrikanischen Festland, von dem sie gekommen waren, Handel trieben.

In die massigen Steinbunker, manche an die fünf Meter hoch und zwischen zehn und zwanzig Meter im Durchmesser, führen niedrige, dunkle Schächte, die sich am Ende zu einzelnen, unverbundenen Kammern erweitern, so daß wir es wohl doch eher mit Clangräbern als mit Behausungen für lebende Menschen zu tun haben. Deren Häuser bestehen aus dem gleichen Baumaterial, doch sind sie viereckig und ihre Wände nicht ganz so dick. Die flachen Kuppeldächer, die die größte Hitze aufnehmen, könnten arabischen Ursprungs sein, vielleicht sind aber auch sie noch älter. Punisch vielleicht, oder phönizisch oder homerisch?
Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
welcher so weit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung,
vieler Menschen Städte gesehn und Sitte gelernt hat
und auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet...
Ihn allein
hielt die unsterbliche Nymphe, die hehre Göttin Kalypso,
in der gewölbeten Grotte und wünschte sich ihn zum Gemahle.
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Daß diese Insel, obwohl Insel, nicht neptunischen Ursprungs ist, erkennt man auf den ersten Blick. Hier haben Erdfeuer gewütet und Gesteinsschmelze durchs Meer an die Oberfläche getrieben, dann aus Kratern Lavaschicht auf Lavaschicht nachgegossen. Das Meiste sieht nach zerklüftetem Rhyolith aus, dem vulkanisch an der Oberfläche erkalteten Gegenstück zum Granit, wie auf den Liparischen Inseln und Island.

Wo Rhyolithmagma schnell erkaltet, bildet es keine regelmäßigen Kristalle, sondern Glas: Obsidian, einst begehrtes Material für scharfe Steinwerkzeuge. Und wo die Lava unter Wasserdampfverpuffungen sich blähte, entstand Bims. Eine Insel der Steine also, die rundum unzugänglich steil ins Meer abfallen. Kein flaches Unterland, das die Anlagerung von Sandstränden begünstigt hätte. Wasser dürfte schnell im porösen Untergrund der Lava versickern, wenn es denn überhaupt welches gibt. Nicht gerade eine einladend freundliche Insel auf den ersten Blick; eher schroff, abweisend, Organisches wie Menschen, Tiere, Pflanzen mit nicht sehr offenen Armen empfangend. Aber es muß mehr als Steine dort oben geben, denn die Insel scheint bewohnt. Von Phäaken und Lotophagen oder von den Ziegen des Polyphem?
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Wochen war es nach dem Angriff der Killerviren still im Computer, der GAU war eingetreten. Es blieb nur noch die Neuformatierung mit dem unweigerlichen Verlust vieler, vieler, allzu vieler kostbarer und unersetzlicher Daten und Dateien.Natürlich (natürlich!) ereignete sich die Katastrophe im UADM (Ungünstigsten aller denkbaren Momente), einen Tag vor Fristablauf einer wichtigen Terminarbeit und dem gebuchten Abflug in einen längst überfälligen und dringend benötigten Urlaub. Also noch einmal schlußrotieren auf einem Ersatzcomputer, den befallenen “richtigen” zur Notamputation in die PC-Ambulanz geben, endlich die vielmals bedachte, aber immer wieder verschobene externe Festplatte zur Datensicherung kaufen, für die es jetzt zu spät ist, im letzten Moment drei T-Shirts und die Badehose in den Rucksack stopfen und ab zum Flughafen. – Und in der Luft schon spüren, wie das ursprünglich bedrückende Drücken der Reformatierungstaste allmählich ein Beigefühl von Ballastabwerfen bekommt. Werde ich die Dateien der erledigten Arbeiten wirklich noch einmal brauchen? Die Altmails aus den letzten vier Jahren? Die Steuererklärungen im Taxman? (“Liebes Finanzamt, leider...”) Die im Lauf der Zeit auf dem PC abgelegte Musiksammlung...? – Was weg ist, ist weg. Kein Trauern, kein Bedauern, vorwärtsschauern! Nicht nur unter der Klimaanlage des Billigfliegers, sondern geringfügig auch nach der Zwischenlandung in Sizilien (Außentemperatur 37°. Molto caldo oggi. – Si). Der gnadenlose Süden: die geringfügige Bekleidung (“Ganz reizend das Kleidchen, das Sie da beinah anhaben”) läßt bei Frauen und Männern keine Bausünde unaufgedeckt.
Nach Stunden des Wartens noch weiter, noch zweiundachtzig Seemeilen weiter nach Süden, bis dahin werden Cap Blanc und Cap Bon, die beiden nördlichen Spitzen Tunesiens, hinter uns zurückgeblieben sein und wir werden uns mehr im Einzugsbereich Afrikas als Europas befinden. Heute nun endlich wieder Internetzugang.
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Meeresgeruch, tiefer, durchdringender und belebender als sonst,
ihn einatmend empfinde ich jene Leichtigkeit, die einen Gewinn an Freiheit verrät.
(E. Jünger: Aus den Strandstücken, 1)
Gewinn an Freiheit, genau. Nach der Schufterei und Fronarbeit der letzten Tage und Wochen nur noch den Rucksack geschnappt und weg. Demnächst ein Meereres.
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“Wir haben mehr Freiheit im staatsbürgerlichen Sinne genossen als das heutige Geschlecht... Wir vermochten kosmopolitischer zu leben, die ganze Welt stand uns offen.”Wir halten ja gemeinhin unsere eigene Zeit für die mit den größten Reisemöglichkeiten jemals, und im Hinblick darauf, was finanziell erreichbar ist, trifft das für die große Masse auch sicher zu. Wenn ich aber an das mittlerweile errichtete Maß an Kontrollen und Schikanen beim Reisen denke, kann ich über die Freizügigkeit damals, wie Zweig sie kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rückblickend im englischen Exil schilderte, nur fast ungläubig staunen:
“Wir konnten reisen ohne Paß und Erlaubnisschein, wohin es uns beliebte, niemand examinierte uns auf Gesinnung, auf Herkunft, Rasse und Religion. Wir hatten tatsächlich – ich leugne es keineswegs – unermeßlich mehr individuelle Freiheit”. (Die Welt von gestern, S.111)Reisen ohne Paß – das soll man heute besser nicht versuchen, wenn man nicht aus einem Schengen-Land kommt oder den EU-Raum überschreiten will. Damals war es möglich, und auch Ernst Jünger machte Ende der Zwanziger Jahre von dieser Freiheit Gebrauch, obwohl schon zunehmend ein anderer Geist fast überall Einzug hielt. Dazu ein letztes Mal Stefan Zweig:
“Europa wird für Jahrzehnte nicht mehr sein, was es vor dem Ersten Weltkrieg gewesen... gibt es doch keine Nation in unserer kleinen Welt des Abendlandes, die nicht unermeßlich viel ihrer einstigen Lebenslust und Unbefangenheit verloren hätte... Die Russen, die Deutschen, die Spanier, sie alle, sie alle wissen nicht mehr, wieviel an Freiheit und Freude der herzlos gefräßige Popanz des ‘Staates’ ihnen aus dem Mark der innersten Seele gesogen.”Die Kritik am modernen Staat teilte Jünger mit Zweig, auch wenn sie politisch in völlig verschiedenen Lagern standen, doch wurde Jüngers politische Publizistik zugunsten einer nationalen Revolution gegen Ende der Zwanziger Jahre stiller, er erkannte Widersprüche im rechten Lager und Unvereinbarkeiten, und er sah bereits 1929 die Machtübernahme der Nazis klar voraus. Im September dieses Jahres schrieb er einen Brief an Bruno von Salomon, damals Chefredakteur der Zeitung der schleswig-holsteinischen "Landvolkbewegung", der wenig später aber der KPD beitrat und in Spanien in den Internationalen Brigaden gegen Franco und für die Republik kämpfen sollte. Ihm schrieb Jünger am 10.9.29: “Es ist sehr gut, daß die Gegensätze bereits sichtbar werden, die den Nationalismus in unserem Sinne von der extremen Rechten trennen. Ohne Zweifel wird diese einmal ans Ruder kommen”.
Nein, es hieße den Bogen überspannen, wenn man behauptete, Jünger sei aus Gründen politischer Frustration auf Reisen gegangen, aber Elemente eines Rückzugs aus dem politischen Engagement und einen Weg zu erhöhter Reflexion und Selbstbesinnung enthalten seine ersten Reisen durchaus, und es ist wohl auch keine rein zufällige Koinzidenz, daß er gerade in und seit jenem Jahr ‘29 häufiger ins Ausland reiste, 1929 nach Frankreich und nach Italien und Sizilien, 1931 auf die Balearen, 1932 nach Jugoslawien, 1935 nach Norwegen, 1936 zu Schiff über Marokko und die Kanaren nach Brasilien, 1938 Rhodos.
Zuhause in Deutschland geriet er während dieser Zeit immer mehr in Gegensatz zu den Nationalsozialisten, weil er sich expressis verbis weigerte, sich von Goebbels Propagandamaschine vereinnahmen zu lassen. Kaum hatte die NSDAP die Regierungsgewalt übernommen, veranstaltete die Polizei in Jüngers Berliner Wohnung eine Durchsuchung. “Es war eine wohltätige Impfung, eigentlich mehr ein acte de présence der neuen Autorität”, spielte Jünger sein Erschrecken herunter, doch anschließend verbrannte er sicherheitshalber “Tagebücher seit 1919, Gedichte, Briefwechsel... Man mußte Ballast abwerfen.”
Anfang Dezember ‘33 verließen die Jüngers Berlin und tauchten nach Goslar in die tiefste Provinz ab. “Ich habe augenblicklich ein hohes Stadium der Langeweile erreicht”, notierte er dort in seinem Briefjournal. “Im übrigen fand ich Berlin so amüsant wie die Residenz des Königs Pest.” Doch auch im langweiligen Goslar ließ ihn das Regime nicht in Ruhe, 1934 fand auch dort eine Hausdurchsuchung statt, eine dritte 1940 in Kirchhorst. Wie von ihm nicht anders zu erwarten, ließ sich Jünger aber nicht einschüchtern. Als das Parteiblatt der regierenden Nazis, der mächtige Völkische Beobachter, einen Text von ihm ohne seine Genehmigung abdruckte, schrieb er an die Redaktion: “Es muß der Eindruck entstehen, daß ich Ihrem Blatte als Mitarbeiter angehöre. Dies ist keineswegs der Fall... Mein Bestreben läuft nicht darauf hinaus, in der Presse möglichst oft genannt zu werden, sondern darauf, daß über die Art meiner politischen Substanz auch nicht die Spur einer Unklarheit entsteht.”
Das war mehr als deutlich. Und in den Neubearbeitungen seiner bereits erschienenen Schriften war die Tendenz nicht weniger eindeutig. In einer Neuauflage der Stahlgewitter 1934 hat Jünger u.a. den früher enthaltenen Satz: “Deutschland lebt, und Deutschland soll nicht untergehen” und weitere dieser Art gestrichen. Er kommentierte die Streichungen 1940 in einem Brief an einen Freund aus seinem Bunker am Westwall: “Mein Ehrgeiz, soweit er sich auf militärische Dinge richtet, ist heute erloschen; und damit lebe ich in einem Zustande der Selbstgenügsamkeit. Ich bin zufrieden, wenn man mich weder bedrückt noch auszeichnet, und fechte aus einem Bedürfnis nach Sauberkeit. Wo gefochten wird, darf man noch hoffen, am wenigsten jenen Menschen zu begegnen, deren Nähe mir so widrig ist. Ich habe schon das Wort ‘deutsch’ aus allen meinen Büchern gestrichen, damit ich es nicht mit jenen teilen muß.”
Am 14. Februar 1933 schloß der neue preußische Kultusminister Rust (NSDAP) Heinrich Mann und Käthe Kollwitz aus der Preußischen Akademie der Künste aus, weil sie einen Wahlkampfaufruf für ein Zusammengehen von SPD und KPD unterzeichnet hatten. Am 28. Februar 1933 brannte in Berlin der Reichstag. Noch am gleichen Tag erließ die gerade gewählte Regierung Hitler eine “Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Akte”, in der die Grundrechte der Weimarer Republik weitgehend aufgehoben wurden. Am 23. März folgte das Ermächtigungs-“Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”, am 31. desselben Monats verabschiedete die Regierung das 1. Gleichschschaltungsgesetz, das auch gleich für eine deutliche Nazifizierung der Preußischen Akademie genutzt wurde. Wer von den Mitgliedern keine Erklärung unterschrieb, der Akademie „unter Anerkennung der veränderten Lage“ zur Verfügung zu stehen, wurde zum Austritt gedrängt. Anfang November ‘33 wählte eine sogenannte “neue Garde” von Akademie- und Parteimitgliedern Ernst Jünger in die Akademie. Mit seiner Antwort auf die erfreute Mitteilung ließ er sich eine Woche Zeit. Am 16. November ‘33 teilte er dann schriftlich mit: “Ich beehre mich Ihnen mitzuteilen, daß ich die Wahl in die Deutsche Akademie der Dichtung nicht annehmen kann... Im besonderen fühle ich mich verpflichtet, meine Anschauung über das Verhältnis zwischen Rüstung und Kultur, die ich im 59. Kapitel meines Werkes über den Arbeiter niedergelegt habe, auch in meiner persönlichen Haltung zum Ausdruck zu bringen.”
Die betreffende Stelle im Arbeiter lautet: “Wie weit man auch zurückgehen möge, man wird schwerlich auf eine so peinliche Mischung von Abgedroschenheit und Überhebung stoßen, wie sie in den offiziellen Staatsansprachen mit ihrer unvermeidlichen Berufung auf die deutsche Kultur üblich geworden ist.”
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