Find more about Weather in Piran, LJ
Freitag, 16. Januar 2009
Ales stenar
Noch einmal zu Ales stenar. Ich stehe wie viele mehr als skeptisch zu Bob Linds “archäoastronomischen” Berechnungen, die diese nach den Umrissen eines Schiffes geformte Steinsetzung als einen Sonnenkalender der Bronzezeit auffassen wollen. Mit einer (von Lind selbst in Auftrag gegebenen) Ausnahme weisen die bisherigen sieben C-14-bestimmten Bodenproben alle auf eine Errichtungszeit um 600 u.Z. Schon damit steht Linds Bronzezeittheorie auf weniger als wackligen Füßen. Außerdem trifft natürlich der Generaleinwand zu, daß im Prinzip jedem Stein oder Gegenstand, der an einem Punkt über den Horizont ragt, wo die Sonne auf- oder untergeht, Kalenderfunktion zugesprochen werden kann. Andererseits räumen selbst die schärfsten Kritiker ein, daß eine so große Anlage wie diese wohl kaum ohne irgendeine Art von Absicht und Plan errichtet worden ist.



Ales Steine sind immerhin heute noch 59 an der Zahl (einige mögen im Lauf der Zeiten zerbrochen oder abtransportiert worden sein), mit einem Gewicht einzelner Steine von bis zu 1,8 Tonnen. Diese wurden, mit jeweils den größten Steinen an den Spitzen, in regelmäßigen Abständen in Form einer 67 Meter langen und spitz zulaufenden linsenförmigen Ellipse in Südost-Nordwest-Ausrichtung auf dem Plateau über einem heute 38 Meter hohen Steilufer so aufgestellt, daß die beiden Stevensteine exakt Sonnenauf- und -untergang am längsten und am kürzesten Tag jedes Jahres anpeilen.



Ich vermag nicht zu glauben, daß eine solche Ausrichtung absichtslos oder zufällig zustande gekommen ist. Außerdem ließen sich vom gleichen Beobachtungspunkt im Zentrum des Schiffs über andere Steine das Erreichen der Frühjahrs- und Herbsttagundnachtgleichen bestimmen (und noch viele andere kalendarische Ereignisse; doch werden Linds Behauptungen in dieser Richtung zunehmend haltloser und gar widerlegbar). Die Skeptiker wenden überdies zurecht ein, daß sich die grundlegendsten Beobachtungen auch mit viel weniger aufwendigen Mitteln wie etwa einem bloß mannshohen Stock machen lassen. Für landwirtschaftliche Zwecke wie meinetwegen die Festlegung bestimmter, für die Aussaat günstiger Tage haben derart simple und von jedermann herstellbare “Sonnenkalender” allemal genügt. Eine so große Steinanlage wie die von Ales stenar, deren Bestandteile eigens von anderswo herbeitransportiert wurden, dürfte also eine profundere Bedeutung besessen haben, die über ihre anderen Funktionen als Grabmal oder bloße Landmarke hinausreicht. Mit ihrer Hilfe ließ sich - womöglich unter pompösen Zeremonien einer Priesterschaft - sinnfällig vor Augen führen und beweisen, daß es regelmäßig Wiederkehrendes im Universum gab, daß der Mensch diese Regeln und Gesetze erkennen und mit ihrer Hilfe bestimmte Konstellationen selbst am Himmel vorhersagen konnte. In solchen Momenten stimmte das Wissen des Menschen mit dem Wissen des Numinosen, Himmlischen überein. Er befand sich im Einklang mit dem Höchsten. Darum ist die Beobachtung der Gestirne bei allen alten Völkern von Beginn an (Nebra!) eine so wichtige Aufgabe. Darum die unsägliche Mühe, so gewaltige Anlagen bis zum Ausmaß von Stonehenge aufzurichten.

... comment