Gefährlicher noch für die demokratischen Grundlagen Deutschlands und anderer europäischer Staaten scheinen derzeit die Maßnahmen zu sein, mit denen gerade die Regierung Merkel ebenso wie viele weitere Regierungen von EU-Ländern unter dem Decknamen verschiedener “Schutzschirme” die demokratische Kontrolle ihrer Finanzmaßnahmen aushebeln wollen. Schon einmal in diesem Monat hat das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil zu einer diesbezüglichen Verfassungsklage festgestellt, daß die Regierung mit ihrer Nicht-Informationspolitik das Parlament umgangen und mißachtet hat. Was jetzt an Bestimmungen in den unterzeichneten Entwurf für den “Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus” (ESM) eingefügt wurde, soll eine Finanzinstitution für die Euro-Mitgliedsstaaten schaffen, die von jeglicher Kontrolle und Mitsprachemöglichkeit etwa so exemt ist wie der Papst. SPD und Grüne spielen natürlich wieder einmal mit, und bei der traditionellen Unwirksamkeit außerparlamentarischer Opposition in Deutschland muß man wohl wieder einmal allein auf das unabhängige Urteil des Bundesverfassungsgerichts hoffen, das die Fraktion der Linken wohl nach Durchwinken des Fiskalpakts im Bundestag anrufen wird.
In diesem Video werden einige der neuralgischen Punkte herausgehoben:
Fußnote: Und zu allem Überfluß hat sich die deutsche Nationalelf einmal mehr von römisch abgezockten Italienern aus einem Turnier und der Bahn werfen lassen. "Sohn einer Terroristen-Hure", hat Materazzi damals zweimal zu Zidane gesagt.
Auf jeden Fall weiß man jetzt, wo Gomez die Anregung zu seiner geeligen Frisur herhat:
(via: everyday_i_show)Aus der Verbrecherdatei der Sydneyer Polizei. Da hatten sie damals übrigens einen bemerkenswerten Fotografen.
Ach, wie schön war Helsinki!
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Fehlt noch das passende Buch, das Sommer, Sonne, Finnland und frühe Sechziger zusammenbringt? Gibt’s längst: Wunderbare Frauen am Wasser von Monika Fagerholm. Hier ein Auszug:
Isabella schläft in der Sonne zwischen grauen Decken, wenn sie ihren Körper genug gebräunt hat. Sie hat sich mit einem Sonnenöl eingerieben, das einen starken, charakteristischen Geruch hat. Das Etikett zeigt einen dunkelbraunen Jungen in weißer Badehose... Isabellas und Rosas Sonnenbrillen sind an den Seiten nach oben hin abgeschrägt.
Wenn es Zeit ist, schwimmen zu gehen, dreht sich Isabella im Schlaf unruhig zwischen ihren Decken um. Rosa sagt, sie liebe das Meer, geht ins Wasser und schwimmt weit hinaus. Wenn sie zurückkommt, setzt sie sich auf den Strandfels und läßt den Körper in der Sonne trocknen. Sie sieht hinaus über die Bucht. Jenseits von ihr, weit weg hinter den Holmen in der Mitte sieht man an Tagen, wenn kein Sonnendunst ist, Tupsu und Robin Lindberghs Sommervilla.
Aber nachmittags wird es manchmal zu heiß, sogar am Strand. Bella und Rosa stehen auf, rollen ihre Stranddecken zusammen, hüllen sich in ihre Bademäntel, nehmen ihre Sachen und gehen rauf auf den Berg zu Rosas und Gabbes Haus. Die Gardinen im Wohnzimmer werden zugezogen. Rosa stellt die Klimaanlage an und schenkt Softdrinks aus dem leuchtenden Barschrank mit Kühlschrankfunktion ein. Bella und Rosa zünden Zigaretten an, inhalieren und sehen dem grauen Rauch nach, der sich wie weiche Haut über den Raum legt.
“Wollen wir ‘nen Film sehen, Bella?”
Bella nickt...
Der Film endet am Meer. Rosa im Sand an einem fast leeren Strand. Die Wellen sind hoch, Wind geht...
Gabbe zieht den Küchenvorhang zur Seite, und man steht vor einem gewaltigen Herd. Er hat vier Kochplatten und eine hochklappbare Blende, auf der die Knöpfe sind, mit denen man die Platten- und Ofenwärme einstellt. “Wie in der Navigationszentrale eines Raumschiffs”, sagt Gabbe. “Bald sind wir auf dem Mond, Thomas.”
“Wir leben mitten in einer unglaublichen Zeit.”
Gabbe entdeckt den Herd gleichsam neu, tätschelt ihn und sagt: “Flammenloses Kochen.”
“Hier könnt ihr eure Rezepte ausprobieren.”
Gabbe lächelt Bella und Rosa zu. “Wir Männer sagen nicht nein zu einem guten Kuchen.”
Isabella lacht ihr Meerjungfrauenlachen. “Danke, aber ich backe nicht.
“Wir sind nicht gerade eine normale Familie”, fällt Kajus ein. “Wir haben Musik im Blut. Wir hören viel Musik. Jazzmusik.”
Gabbe erklärt, er wolle in Musik machen. “Tonbandgeräte. Die Kassettentechnik wird im Lauf des Jahrzehnts die traditionelle Musikwiedergabe ausstechen. Ihr könnt euren Plattenspieler ins Meer werfen, Mister Jazz!”
Im Mai 1964 stöbern Johan Wikblad und Ann-Christine auf Auktionen. In der weißen Villa gibt es keine großen Veränderungen. Lindberghs haben ein neues Mahagonimotorboot, noch glänzender, mit einer kleinen Kajüte unterm Vorderdeck und noch mehr Pferdestärken. Zwei Wochen im August fährt Klas – oder ist es Peter Lindbergh? – auf der Bucht mit einem Mädchen herum, das auf dem Vorderdeck sonnenbadet.
Swisch, Lindberghs glänzendes Mahagonisportboot kommt auf Johanssons und Gabbes und Rosas gemeinsamen Ponton zugefahren. Rosa springt an Bord, um mit Tupsu zu den Freundinnen in den Häusern draußen am offenen Meer zu fahren.
Thomas rudert an Land. Kajus geht hinauf. Neues Jahr, neue Songs. The Girl from Ipanema. Bella steht am Fenster im Dunkel des großen Zimmers. Sie geht durch den Raum.
She looks straight ahead / But not at me.
Kajus fängt sie ein. Sie tanzen.
Schöner Sommer ‘64. Schräg auf Katzenaugen geschnitten sind die Sonnenbrillen im diesjährigen Sommer nicht, aber groß. “Jungfrau Finnland”, Finlands mö, mit Insektenaugen. Schade eigentlich. Ohne Sonnenbrille steht sie in Bronze gegossen am Runeberg-Denkmal oder im Portal eines Jugendstilhauses auf der Aleksanterinkatu, der Haupteinkaufsstraße Helsinkis. Sie war einmal das charmante finnische Gegenstück zum deutschen Michel, die allegorische Verkörperung Finnlands. Der Nationalromantiker Edvard Isto hat sie so gemalt, und die finnlandschwedische Autorin Ulla-Lena Lundberg hat ihre erste Begegnung mit seinem Bild in der Kindheit so beschrieben:
Das Gemälde war riesengroß. Es stellte eine hochgewachsene Frau oder ein großes Mädchen im Leinenkleid mit muskulösen Armen und kräftigen Handgelenken dar. Es stand im Wind und fürchtete sich. Seine Augen starrten weit aufgerissen einem Adler entgegen, der seine Fänge gegen ein großes Buch spreizte, das das Mädchen krampfhaft an seine Brust drückte.

Womöglich ist das der größte Adler Finnlands. Vielleicht wurde nie ein gräßlicherer Zweikampf dargestellt. Der Adler will das Buch haben, koste es, was es wolle, und das Mädchen will es um keinen Preis hergeben, so übel es auch selbst zugerichtet wird.
Ich hätte das Buch von mir geworfen und wäre weggerannt; so viel wußte ich genau. Mit dem Mädchen identifizierte ich mich viel weniger, aber der Adler fesselte meine Aufmerksamkeit. Er war erst so kürzlich herangeflogen gekommen, daß man noch das Rauschen in seinen Schwungfedern hörte, als er sich vom Himmel stürzte, und das gewaltige Ratschen, mit dem er auf dem Buch landete. Der Vogel war bis in das winzigste Detail absolut naturgetreu.

Es störte mich überhaupt nicht, daß er zwei Köpfe besaß, denn man konnte sich leicht einbilden, er hätte den Kopf so schnell hin und her gewendet, daß es wie zwei Köpfe aussah. Er war mehr Adler als das Mädchen ein Mädchen war, ja, er war mehr Adler als irgendein lebender Adler, den ich später je gesehen habe.
"Warum?" fragte ich natürlich. "Warum macht er das?"
Ich war gut dran, mit einer Mutter und einer Schwester, die lesen und erklären konnten. Das Mädchen war das jungfräuliche Finnland, das Buch Finnlands Verfassung. Der Adler war Rußland, das versuchte, der Jungfrau Finnland ihr Grundgesetz aus den Händen zu reißen. Aber die Jungfrau Finnland ließ nicht los. Nein, sie packte so zu, daß der russische Adler nachgeben mußte.
"Aha", sagte ich.
Wenn man das Bild unter dem vorgestrigen Eindruck betrachtet, könnte der Adler natürlich auch der deutsche sein und das Mädchen die schöne Hellenin in klassischem Weiß-Blau:
"Brutal dismantling of Greece... The evening was a lesson in the ruthless reality of German’s attacking power", hat der Telegraph über das Spiel geschrieben. Aber auch die Grazie lag ganz auf unserer Seite. “"It wasn’t enough that in the group stages Germany demonstrated trademark efficiency and reliability. There is now a demand for traces of Latin flamboyance in their football culture.”
Doch zurück zur Suomi-neito. In den Siebzigern wurde sie zur Melodie von “American Pie” besungen und in Japan kürzlich zur Manga-Figur. Der in Deutschland lebende serbische Percussionist Nebojsa Jovan Zivkovic aus Sremska Mitrovica widmete ihr eine eigene Komposition, Suomineito. Mithin erweist sich die alte Jungfrau Finnland als ewigjung, und sie wandelt ganz unallegorisch noch immer mitten unter uns. Ich entdeckte sie dieser Tage in der flanierenden Menge auf der Esplanade. Gegen den doppelköpfigen Adler muß sie derzeit nicht ankämpfen, doch vor Kameras posieren und dabei irgendsoein Pisshündchen an der Leine bändigen. Und einen ziemlich scheußlichen Rock tragen.
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Schon wieder also ein halbes Jahr vorüber, das Rad des Jahreszyklus’ dreht sich wie die Rota Fortunae in den Carmina Burana: "O Fortuna / velut luna / statu variabilis …" - Langsam wird man sich wirklich, um es mit den Worten des Alten in Weimar zu sagen, “selbst historisch”. Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie historische Ereignisse, die man lange als epochal ansah, irgendwann auf das Maß einer Episode zusammenschrumpfen.In Helsinki begegnete ich einem älteren Kollegen aus den USA, der sich beim Tischgespräch irgendwann nach Berlin erkundigte. Da mir zu Berlin grundsätzlich wenig (Gutes) einfällt, nahm eine kroatische Kollegin am Tisch, die seit Jahren in Berlin wohnt und sich nach eigener Aussage nicht vorstellen kann, irgendwo anders zu leben als in Kreuzberg, Wrangelkiez, den Faden auf und schwärmte auf die übliche Weise von den Vorzügen der Stadt. Irgendwann unterbrach der Amerikaner ihre Hymnen mit den Worten: “Ich höre heraus, daß sich die Stadt wohl noch mächtig verändert hat. Ich war in meinem Leben zweimal in Berlin, aber die Mauer habe ich nie gesehen. Mein erster Besuch fand 1960 statt, ein Jahr vor dem Mauerbau, und als ich vierzig Jahre später wiederkam, war die Mauer schon wieder weg.”
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Es ist Sommer, kurz bevor sie wieder einmal umziehen werden.
“Ausflugstag, Mama!”, ruft sie in die Wohnung. “Henccu! Riku! Wir fahren nach Sveaborg!” [...]
Bald sitzen Didde, Benita und Riku in dem waggonähnlichen Schiff aus Holz auf dem Weg zur Festungsinsel. Und noch etwas später liegen sie auf einem nach Südwesten gerichteten Wall mit einer alten, halb verfallenen Mauer als Schutz gegen den Wind, der warm, aber heftig aus Osten bläst.
“Willst du nicht eine Runde schwimmen, Riku”, fragt Didde.
“Nein”, sagt er, legt sich und streckt sich der Länge nach auf der roten Wolldecke aus; er räkelt sich vor Wärme und Wohlbehagen. Er hat seine Brote gegessen und seinen Saft getrunken, alle Kekse und die Nußwaffeln gefuttert. Einen Schokoriegel hat er noch übrig und weiß, daß er ihn bald essen muß, bevor er schmilzt. Er fühlt sich geschmeidig wie eine Katze und voll mit Süßem, er will nichts tun, sondern einfach nur ausgestreckt daliegen und die Sonne sich über ihn wälzen lassen, sich manchmal aufsetzen und nach Norden und Westen gucken, das dort hinten liegende, sich in alle Richtungen Ausbreitende fixieren: die Stadt.
Denn da draußen auf Sveaborg empfindet er die Gegenwart der Stadt wie nie zuvor. Alles ist Sommer, alles ist blauglitzernd, grünschimmernd freundlich, und er fühlt die Berührung eines großen, pulsierenden Körpers, von einem gigantischen und vielgestaltigen, von einem rasselnden, arbeitenden und hungrig fressenden Ganzen, in dem jeder und alles trotz des scheinbaren Wirrwarrs seinen Platz hat.
Die Sonne hat ihn ein wenig träge und dösig gemacht, gleichzeitig macht ihn die Nähe der Stadt rastlos, als ob sich ein Traum oder die Vorahnung eines Traums seiner bemächtigt hätte.”
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Im Strandcafé Mattolaituri an der Südspitze von Helsinki mit Blick auf die Schären um Suomenlinna kann ich das alles noch viel entspannter sehen und denen, die nie müde wurden zu versichern, die Holländer spielten angeblich den besten Fußball der Welt, entgegenhalten: 0 Punkte, alle drei Spiele sang- und klang- und glanzlos verloren, “Oranje is een lachertje” (De Telegraaf). Oranje ist ein Witz.
Helsinki ist keiner, Helsinki ist ein helles Sommerlächeln, dessen weiße Zähne in den Lichtreflexen auf den Wellen blitzen, das aus blauen Augen leuchtet, die den frisch gelüfteten Himmel spiegeln, ein duftiges Fliederlächeln, umrahmt, umspielt von langem, weißblondem Haar, das durch die Luft weht wie Löwenzahnsamen.

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Sunnuntai, 17. kesäkuuta 2012
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Was für ein Glück!
Nur ganz kurz im hoffnungslos überfüllten Holland zwischenlanden, dann gleich nach Finnland durchstarten und im mittsommerlichen Helsinki Frühling nachholen. Warmer Sonnenschein ohne schweißtreibende Hitze, da vom Meer noch eine kühle Brise weht. Und wo sonst als hier oben im Norden gibt es diese klare Luft und dieses reine Licht? Die ganze Stadt duftet nach Meer und blühendem Flieder. Ob den Finnen wirklich bewußt ist, wie schön das Zentrum ihrer Stadt gelegen ist? Dumme Frage! Ganz sicher. Sie flanieren Esplanadi auf und ab, sitzen in den vielen Straßencafés, sonnen sich auf den sanft gerundeten Granitfelsbuckeln im Kaivopuisto-Brunnspark und fahren, gut eingepackt gegen den noch kalten Wind auf der Ostsee, ihre Boote zwischen den Schären spazieren.
Wenn dieser gerade anbrechende Sommer zu Ende geht, werde ich für einen Monat hier wohnen. Darauf kann man sich wirklich freuen. Ich mag die Finnen schon dafür, daß sie sich für einen vollmundigen Vokal richtig lang Zeit nehmen.
Musik dazu? Warum nicht Northern Smiles von Gwilym Simcock:
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